Vor ein paar Monaten postete ich auf Instagram ein Bild von einem Besuch am Niederrhein mit dem Untertitel: Meine alte Heimat! Meine Insta-Freundin Katja fragte daraufhin in den Kommentaren: Wie definierst Du Heimat für Dich? Eine gute Frage. Aber auch eine schwierige Frage.
Im gefragt – beantwortet zum Blogjubiläum schrieb ich es schon: Das braucht einen eigenen Blogartikel. Die Frage „was ist Heimat“ kann ich nicht en passant beantworten. Sie treibt mich aber immer wieder um.

Was ist Heimat?
Wie definieren wir heute den Heimatbegriff, was bedeutet uns Heimat und erlebt das Heimatgefühl eine Renaissance? Diesen Fragen geht Britta Langhoff nach, erzählt von ihrem eigenen „heimatlichen Werdegang“ und stellt diese Frage zur Diskussion.
Heimat – was ist das eigentlich?
Was ist Heimat für mich? Wo fühle ich mich zuhause? Und – ist Heimat und Zuhause ein und dasselbe? Miteinander verbundene Fragen, aber in meinem Fall unterschiedlich gewichtet.
Jeder definiert Heimat anders.
Nach der Begriffsbestimmung ist es so: Im Wort Heimat steckt das urgermanische Wort Heim – damit ist der Ort gemeint, an dem man zuhause ist. Früher ein klar definierter Ort. Aber heutzutage? Wenige Menschen leben ihr ganzes Leben an einem einzigen Ort. Fühlen wir uns dann immer wieder neu zuhause oder tragen wir eine alte, frühere Heimat mit uns?
Wo bin ich verwurzelt?
Geboren bin ich am Niederrhein, in Emmerich. Direkt an der deutsch/ niederländischen Grenze. Bis auf eine Oma, die im Ruhrgebiet groß wurde, kamen meine Vorfahren alle vom Niederrhein. Einige waren Deutsche, viele auch Niederländer. Der Niederrhein ist plattes Land, sein Reiz erschließt sich vielen entweder gar nicht oder erst auf den zweiten Blick. Es ist auch weites Land, der Blick kann dort ungehindert schweifen, die Sehnsucht nach dem Meer ist nie weit.

Um Kind zu sein, ist der Niederrhein ein guter Ort. Als ich älter wurde, konnte ich gar nicht schnell genug die Flucht Richtung Ruhrpott ergreifen. Das hatte nicht nur, aber auch damit zu tun, dass in Emmerich einfach wenig los war. Es gab nicht mal ein Kino. Wollten wir in die Disco, wollten wir auf ein Konzert oder eben ins Kino – fuhren wir über den Pommesäquator nach Arnheim.
Die grenzwertige Heimat
Das hatte immerhin den Vorteil, dass wir die Blockbuster unserer Zeit in der Originalfassung sahen – die Niederländer synchronisieren nicht. Half unseren Englisch-Noten und ich hab verstanden, warum Richard Gere so ein Idol wurde. Der hat nämlich eine verdammt sexy Stimme.
Aber im Ernst – ich finde es bis heute toll, dass ich in meinen Teenager Jahren zu einem großen Teil in den Niederlanden sozialisiert wurde. Holland ist wie Deutschland – nur besser. Dieser geflügelte Satz gilt mit Einschränkungen bis heute und die gleichermaßen pragmatische und liberale Haltung der Niederländer hat mich geprägt.
Wo ist meine Heimat heute?
Geprägt hat mich auch das Grenzkinder-Leben. Einschränkungslos zugehörig fühle ich mich nirgendwo. Mag auch daran liegen, dass ich mich mit vielem fremd in der Welt fühle .
Ich habe meiner Insta-Freundin die Antwort gegeben, dass ich am ehesten den Ruhrpott als meine Heimat betrachte. Weil der Ruhrpott ein Ort ist, wo ich gut hin passe. Ein Ort, den ich will und kann.

Schön kann jeder – Ruhrpott muss man wollen.
So heißt es und da ist was dran. Der Ruhrpott ist für mich auch der Ort, wo ich meine Kinder großgezogen habe. Hier habe ich ihnen Wurzeln und Flügel gegeben und ohne Wenn und Aber war dies die wichtigste Zeit in meinem Leben. Bis heute zieht es die Jungs oft in den Pott. Sie sind stolz darauf, Ruhrpottkinder zu sein und lassen das auch gerne mal raushängen. Man kriegt die Leute aussem Pott, aber nicht den Pott aus den Leuten. Noch so ein Spruch, der wirklich stimmt.
Wo fühle ich mich zuhause?
Es ist die Liebe zu den meinen, die mir mein Zuhause gibt. Deswegen beantworte ich die Ausgangsfrage auch mit: Heimat ist da, wo mein Herz zuhause ist. Und zuhause fühle ich mich da, wo meine Lieben sind.
Wir haben unsere Basis, unseren Heimathafen im Ruhrgebiet, wir haben Freunde hier, wir mögen den Pott. Ich gehe auch davon aus, dass ich zum Schluß hier, im Pott tot überm Zaun hängen werde. Aber in Stein gemeißelt ist das nicht. Ich wäre zwar traurig, diese Scholle zu verlassen, ein Teil meines Herzens würde für immer hier bleiben. Aber das Gefühl von zuhause würde ich mit mir nehmen.
Hier wie dort zuhause
Das merke ich, wenn wir lange in den Niederlanden leben. Ich mag dieses Land immer noch sehr und fühle mich ihm verbunden. Damals wie heute ist es so, dass ich das Leben als leichter empfinde, wenn ich in den Niederlanden bin.
In den Niederlanden zählt Status deutlich weniger als in Deutschland. Solange er niemandem weh tut, kann der Mensch dort so sein, wie er will. Nicht, dass es keinen interessiert. Es bewertet nur keiner und das mag ich sehr. Solange der Captain mitgeht, könnte ich gut auch mein Zuhause in den Niederlanden haben.

Heimat in der Fremde
Dennoch glaube ich, dass meine Heimat- und Zugehörigkeitsgefühle den Niederlanden gegenüber meiner Kindheit und Jugend geschuldet sind. Den Zeiten, in denen man erste Wurzeln schlägt. Ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort zu entwickeln, welcher einem von der Mentalität her eher fremd ist, stelle ich mir sehr schwer vor. Auch, wenn man nur Gutes mit diesem Ort verbindet.
So ein Ort ist für mich das Tessin. Als Kind und als Jugendliche habe ich dort etliche Urlaube verbracht. Als der Captain und ich zusammen kamen, gab es für mich ein Wiedersehen mit dem Paradies meiner Jugend. Die Familie des Captains hatte zu der Zeit dort eine Ferienwohnung – und ein Boot – und wir verbrachten viele Jahre lang dort all unsere Urlaube.

Ich habe nur gute Erinnerungen an diesen Ort, soviel Schönes ist dort passiert. Die Kinder waren dort glücklich, wir alle waren dort glücklich. Ich habe nachgerechnet – all in habe ich fast zwei Jahre meines Lebens dort verbracht. Aber ich habe es nie als zweite Heimat betrachtet, ich fühlte mich nie in diesem Sinne zugehörig. Willkommen ja, aber ich war kein Teil davon. Ich kann Geschichten von diesem Ort erzählen, aber ich bezweifle, dass dieser Ort eine Geschichte von mir erzählen würde.
Sehnsucht nach der alten Heimat
Das Ruhrgebiet und die Niederlande könnten hingegen Geschichten von mir erzählen. Und der Niederrhein natürlich. Ich merke – je älter ich werde – desto mehr Sehnsucht habe ich nach dem Niederrhein. Mit meinem Vater ging das letzte familiäre Band, welches ich nach Emmerich hatte. Eine gute Freundin ist das letzte Band, welches von dort noch zu mir führt.
Als mein Vater krank wurde, lebte ich wochenweise wieder in meiner Geburtsstadt. Bei allem Leid erfuhr ich in dieser Zeit auch die guten Seiten des „jeder kennt jeden“ , kurz des dort geboren und verwurzelt sein. Dennoch fehlt mir die Stadt Emmerich an sich nicht.
Ich vermisse manchmal die Gegend. Das Gefühl der Weite, das Gefühl des einfach durchatmen Könnens. Der Ruf der Wildgänse, das Tuckern der Rheinschiffer – so klingt Heimat für mich. Klänge, die ich für immer mit Heimat verbinde und vermisse. So sehr, dass ich mein Schreibprojekt – das Haus am Deich – dort angesiedelt habe.
Ich glaube, das für den Niederrhein auch das gilt, was man gemeinhin den Pottkindern zuschreibt: Man kriegt die Menschen weg vom Niederrhein, aber man kriegt den Niederrhein nicht aus den Menschen.
Vielleicht aber gilt das auch für jeden Ort dieser Welt?
Heimat ist auch keine Lösung
Vor vielen Jahren sahen wir im Bochumer Schauspielhaus einen Liederabend mit diesem Titel: Heimat ist auch keine Lösung. Der Abend erzählte keine zusammenhängende Geschichte, er erzählte eindringlich und auf sehr berührende Weise von Menschen, die zerrissen waren zwischen Fernweh und Sehnsucht nach Heimat. Von Menschen, die ihre alte Heimat verlassen und (noch) keine neue gefunden hatten. Das ist mehr als zehn Jahre her und bis heute erinnere ich diese Aufführung. Sie hat mich tief getroffen damals. Denn ich habe mich wieder erkannt. Wieder erkannt darin, dass ich Heimat nicht mit letzter Gewissheit definieren kann.
Ist Heimat ein Gefühl?
Für mich kann ich diese Frage mit Ja beantworten. Heimat ist ein Gefühl. Das Gefühl, geliebt zu werden. Dazu zu gehören und anderen ein Zuhause zu geben. Das Gefühl, nicht einsam zu sein. Auch wenn man sich manchmal alleine fühlt. Ich denke, dass ich dieses Gefühl, eine Grenzgängerin zu sein, nie los werde. Aber ich habe gelernt, mich in diesem Gefühl einzurichten und die Grenzen meiner Welt selbst zu definieren.
Die Welt ist unser Zuhause
Wenn man viel unterwegs ist, lernt man eins: Die Welt ist unser aller Zuhause. Es gibt die Theorie, dass jeder Mensch mit jedem verwandt oder zumindest bekannt ist. Über maximal 5 Ecken. Ich halte das für möglich. Ich treffe so oft Menschen unterwegs, mit denen ich unvermutete Gemeinsamkeiten habe.
Mai 2024, Hafenfest. Ich lerne Leo kennen. Leo ist Niederländer, Segler aus Passion, geschmeidige 82 Jahre jung und frisch geschieden. Leo sucht Mitsegler für einen Törn ins Wattenmeer, leider können wir zu dem Termin nicht, weil das Kind 30 wird. Aber wir quatschen munter weiter, denn wir verstehen uns gut. Auch im wortwörtlichen Sinne. Er spricht niederländisch, ich antworte auf deutsch. Die bewährte Grenzkinder-Methode. Können alle, die dort geboren sind. Der Captain fand das merkwürdig, als wir uns kennenlernten, mittlerweile hat er sich daran gewöhnt. Und je mehr Zeit er in den Niederlanden verbringt, desto öfter benutzt auch er diese Gemengelage.
Zurück zum Hafenfest. Leo also. Es stellt sich heraus, dass Leo aus einem kleinen Ort unweit der Grenze stammt. Der Ort, in dem mein gleichnamiger Großvater geboren wurde. Leo ist entzückt. Seine Entzückung steigert sich noch, als ich von meinen wilden Zeiten in Arnheim erzähle. Er kennt das auch alles. Das Kino, die Disco, die Music Hall und die bruin cafés am Korenmarkt.
Die Welt ist ein Dorf
Und er kennt auch „den Israeli“ – ein kleines Eetcafé, welches die ganze Nacht geöffnet hatte und wo sich alle Nachtschwärmer mit Shoarma stärkten. Alle nannten ihn nur den Israeli, weil er die in den Niederlanden bis heute sehr beliebten israelischen Speisen anbot. Er war kein echter Israeli, wenngleich er das Geburtsrecht hatte, in diesem Staat zu leben. Der Israeli war Leos bester Freund, lerne ich an diesem Abend. Und ich lerne, dass der Israeli schon gestorben ist. Was mich nach all den Jahren durchaus traurig macht.
Am nächsten Tag stellte sich dann noch heraus, dass unser Winterlager Meister auch aus Arnheim stammt und ich fühlte mich oben im friesischen Norden auf einmal ganz niederländisch niederrheinisch. Die Welt ist eben wirklich nur ein Dorf.
Warum Heimat plötzlich wieder in ist
Lange Zeit galt der Begriff Heimat als spießig, er war geradezu verpönt. Die Assoziationskette ging ungefähr so: Volksmusiksendung am Samstagabend gleich Heimat gleich uncool. In den letzten Jahren hat der Begriff Heimat eine Deutungsveränderung erfahren.
Bei mir persönlich hat es – auch – mit dem Alter zu tun, dass ich mehr über den Zaun nachdenke, über dem ich dareinst hängen möchte. Aber ich merke zusehends, der Begriff Heimat treibt viele um. Wir leben in unruhigen Zeiten, in unsicheren Zeiten und ringen um Gelassenheit.

In unsicheren Zeiten wächst der Wunsch nach einem Ort, an dem wir uns zuhause und sicher fühlen. Nach einem Ort, an dem wir nach unseren Vorstellungen älter werden können. Wir spüren zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft und brauchen einen Platz, dem wir uns zugehörig fühlen. Wir wünschen uns einen Ort, der Geschichten über uns erzählen kann. Einen Ort, der uns umarmt, der uns Wärme vermittelt.
Dazu sehen wir zunehmend Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ihnen gemein ist, dass sie Angst machen. Denjenigen, die ihre Heimat verlassen und denjenigen, die sie aufnehmen.
Was in unsicheren Zeiten oftmals dazu führt, dass ein zunehmender Rückzug ins Private stattfindet. Und für den braucht man was? Genau. Eine Heimat. Ein Zuhause.
Heimat ist ein weites Feld
Heimat ist ein vielschichtiges Thema mit vielen Facetten, welche auch schnell ins politische übergreifen können. Da ich das für mich und den Blog an dieser Stelle nicht möchte und die Intention meines Blogartikels auch eine eher persönliche ist, möchte ich mit meinem Fazit enden:
Heimat ist für mich ein Ort, an dem mein Herz sich verwurzelt. Somit habe ich mehr als eine Heimat, obwohl das Wort an sich nicht einmal einen Plural vorsieht.
Zuhause ist für mich da, wo meine Lieben sind.
Hier geht es zu den neuesten Blogartikeln:
- T.G.i.F. – WasserstandsmeldungTach auch Liebeleins! Ganz ausnahmsweise gibt es ein TGIF Lebenszeichen. Ich melde mich zurück aus dem Krankenhaus.
- 12 von 12 April 2026 – der Tag davorZu gern hätte ich heute „aller guten Dinge sind drei mäßig“ das 12 von 12 im April auch wieder mit Nordseeflair gepostet oder zumindest von Bord – aber diesmal gibbet wieder eins aussem Pott von zuhause. Aus galligen Gründen. Wie an jedem 12ten des Monats nehm ich Euch in 12 Fotos mit durch den Tag.… 12 von 12 April 2026 – der Tag davor weiterlesen
- Nomen est OmenWie gefällt Dir Dein Vorname? Ist unser Name wirklich Programm? Rund um die Namensgebung geht es hier um Identität, Zufall und These dass unser Name mehr über uns verrät, als wir denken.
- Ein Monat zum Durchatmen- So war der MärzOb zuhause oder an der Nordsee: Der Monat März war ein Monat zum Durchatmen. Lies hier meinen Rückblick März 2026 !
- Mut zum Neuanfang: Es ist nie zu spätEin Neuanfang hat kein Verfallsdatum. Lies hier, warum Mut zum Neuanfang in jedem Alter möglich ist.
Das hast du sehr schön geschrieben. Heimat ist für mich Hamburg. Und ganz doll das Haus in dem ich Lebe und der Mensch mit dem ich dort lebe. Und das Tier. Innerhalb Hamburgs hat sich in den letzten 20 Jahre extrem verändert, wo ich mich in der Stadt zu Hause fühle, wo ich das Heimatgefühl habe.
Sonnige Grüße!
Ich finde, Hamburg ist auch eine sehr besondere Stadt. Ich habe einige Bekannte und Freunde in Hamburg, bei allen ist das Zugehörigkeitsgefühl und der Stolz auf die schöne Heimatstadt gut fühlbar. Es ist schön, dass Du in Deiner Heimat ein tolles Zuhause hast.
Liebe Grüße
Britta
Es ist immer wieder spannend zu lesen, wo wir gleich fühlen. Ich sage zu meinem Geburtstag- und ewig leben Ort alte Heimat, weil ich da fast mein ganzes Leben verbracht habe. Schön fand ich es dort allerdings nur so begrenzt.
Wir waren aber aufgrund verschiedener Gründe dort lange Zeit ‚verhaftet‘.
Als Jugendliche wollte ich immer weg und wäre ich meinem Mann nicht begegnet, wäre das vielleicht auch passiert.
Mein Zuhause ist, wie bei dir, da, wo mein Herz wohnt. Und ich behaupte tollkühn, dass das an (fast) allen Orten sein könnte.
Was mir aber wichtig ist, ist ein Zuhause zu haben, wo ich mich wohlfühlen kann, wo es schön ist, was mein Leben atmet. Ich denke, du weißt, wie ich es meine.
Und sich das klarmachen zu können und es dann auch leben zu können, das ist ein großes Geschenk.
Das hast du wunderbar und mit viel Herzblut hier erzählt.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
es ist wirklich immer wieder schön zu sehen, wie ähnlich wir empfinden. Du hast ja auch Erfahrung darin, an anderen Orten zu leben und weißt, dass Du überall ein Zuhause haben könntest.
Danke Dir, dass Du Deine Gedanken auch hier teilst.
Liebe Grüße
Britta
Fakt ist, dieser Ort, an dem ich aktuell in Wohnhaft gehalten werde, wird definitiv nicht meine Heimat werden. Niemals. Keine Chance. Nicht mal vielleicht.
Sehr sehr heimisch fühle ich mich am Niederrhein und in den Niedrlanden. Als Pottblag ist meine Heimat ganz klar definiert. Ruhrpott. Auch wenn ich im romantischen, idyllischen, malerischen Gelsenkirchen 😂 geboren wurde, würde ich die gesamte Region E, Bo und GE als Heimat bezeichnen.
Ich sach ja: Den Pott kriegste nicht aus den Leuten raus. Den Niederrhein und die Niederlande anscheinend auch nicht. In den Regionen, in denen wir uns verwurzelt haben, sind wir ja absolut gleich.
Wollt Ihr denn eigentlich irgendwann wieder richtig Pott ? Oder bleibt Dein Zuhause da, wo niemals Deine Heimat sein wird ?
Unbedingt. Oder irgendwo anders. Schauen wir mal. Gedanklich sind wir schon weg. Aber noch ist es zu früh.
Verstehe ich. Manchmal kann man noch nicht so, wie man möchte. Und wenn man sich darüber hinwegsetzen würde, würde man sich wahrscheinlich dabei auch nicht 100%ig wohl fühlen.
Das macht einen irgendwie nachdenklich. Ich kann bei mir nicht so richtig ein Gefühl von Heimat festmachen. Dafür aber umso mehr das Gefühl von „zu Hause sein“. Letzteres ist für mich der Ort, an dem ich dauerhaft lebe und ich liebe das Heimkommen nach einem Urlaub. Trotzdem bin ich irgendwie offen (oder planlos) was die Zukunft angeht. Vielleicht sind wir angekommen, vielleicht auch nicht – und natürlich wünscht man sich, mit seinem Lieblingsmenschen zusammen alt werden zu dürfen. Ich bin aber zuversichtlich, dass das Herz immer wieder einen Wohlfühlort finden kann.
Liebe Grüße!
Das hast Du sehr schön geschrieben. Ein Wohlfühlort für das Herz! Wahrscheinlich ist es das, was wir alle suchen. Und schön, wenn wir ihn gefunden haben. Auch wenn er vielleicht nochmal wechselt.
Liebe Britta,
das ist eine sehr interessante Frage. Heimat ist dort, wo meine Liebsten sind. Ich bin in meinem Leben so viel umgezogen und habe mich überall zu Hause gefühlt. Je nachdem eben, wie man es sich einrichtet und wer bei einem ist.
Liebe Grüße!
Liebe Jenny,
damit empfindest Du das genauso wie ich. Interessant ist das schon, wie sehr häufige Umzüge die Definition von Heimat beeinflussen.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta, da stellst du eine Frage, die mich ins Nachdenken bringt…
Ich habe das Gefühl, dass es in meiner Kindheit und Jugend verpönt war, sich Überlegungen zu gestatten, die auch nur im Entferntesten nach Deutschtümelei rochen (bis heute hätte ich große Schwierigkeiten, eine Deutschlandfahne zu schwenken z.B.) und der Begriff „Heimat“ ist für _mich_ daran gebunden, warum auch immer. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, was ich vom sogenannten Heimatministerium halten soll, obwohl ich den dahinter liegenden Gedanken gut nachvollziehen kann.
Anders an die Fragestellung heranzugehen, wirft den Begriff „Heimweh“ auf. Sagen wir mal so – ich gehöre bis heute nicht zu den Menschen, die sich nach Hause sehnen und traurig sind, dass sie woanders sind. Das ist teilweise schlicht charakterlich bedingt, aber sicher auch dem Umstand, dass ich noch nie gezwungen war, Land und Leute zu verlassen – zum Glück.
Doch halt – ein einziges Mal im Leben hatte ich Heimweh. Nach fünf Jahren in der rheinland-pfälzischen Provinz sehnte ich mich nach Bremer Dialekt, nach Wind und schlicht nach Menschen, deren Mentalität sich nicht so grundlegend von meiner eigenen unterscheiden. Ich spürte wirklich tiefempfundenes Glück, als ich nach dem Umzug dorthin zurück erstmals wieder auf dem Marktplatz vorm Bremer Roland stand – ich war selbst ein wenig überrascht. Daraus folgernd (Inner Heimat, auffem Freimarkt, da gibt’s ein Eis für zehn *träller*) ist diese inzwischen leider völlig abgeranzte Stadt an der Weser wohl am ehesten meine physische Heimat.
Ansonsten ist Heimat für mich eher ein Gefühl – nach Frieden, nach Ruhe, nach Dazugehörigkeit, nach „da, wo die Welt in Ordnung ist“.
Zuhause bin ich schnell überall – wir sind so viel umgezogen, dass mein Herz nicht an Wohnungen oder Häusern hängt, sondern an den Menschen, die darin wohnen und den Möbeln sowie den sonstigen Kleinigkeiten, die drin stehen.
Ansonsten bin ich an dieser Stelle (sonst gar nicht mal so) unfassbar flexibel und kann mich leicht auf neue Menschen und Situationen einlassen, was ein wohliges Gefühl von „Zuhausesein“ generiert.
Dein Callantsoog (danke noch für die tollen Photos, ich finde es dort ja auch so schön!!) ist mein Fehmarn. Da komme ich immer nach Hause, kenne gefühlt jeden Stein, drehe die immer gleichen Wanderungen und erinnere mich an alle Geschichten aus weit über 50 Jahren. Und die Luft dort riecht wie sie schon immer gerochen hat.
Und da, wo ich sowieso immer sein will, ist auch längst ein zweites Zuhause geworden, das ist ja klar…
Soweit meine drei Cents zum Thema – schönen Sonntag einstweilen dir und gesundheitlich weiterhin alles Gute.
LG von meinem zweiten Zuhause,
Marie
Liebe Marie,
rheinland-pfälzische Provinz und norddeutsche Mentalität hört sich für mich sofort nach einer schwierigen Diskrepanz an. Ich kann es Dir nachvollziehen. Wir haben früher immer scherzhaft gesagt: Hinter Köln hört Deutschland auf. Und ich kann bis heute nachvollziehen, warum wir das gesagt haben……
Und ja – in unserer Kindheit und Jugend war Heimat ein verpönter Begriff. Ich habe auch noch nie eine Deutschlandfahne geschwungen. Ich gebe aber zu, dass mich diese Fahnen in NL weniger stören und finde das auf eine Art dann auch wieder doof. Aber das ist so, wie es ist. Und auch letztendlich nachvollziehbar.
Grüße in Deine zweite Heimat.
Britta
😂 Ich kenne es als „Südlich von Kassel ist nur noch Pampa“
:)) – auch nicht schlecht !
Ich finde, du hast es sehr schön beschrieben. Heimat ist da, wo ich zuhause bin UND mich wohlfühle. Ich könnte nicht länger an einem Ort leben, den ich nicht wirklich mag. Meine alte Heimatstadt habe ich 1992 verlassen und bin nicht traurig drum. Es gibt zwar schöne Erinnerungen, aber an meinem jetzigen Wohnort bin ich besser aufgehoben. Daher würde ich diesen jetzt als meine Heimat bezeichnen.
Liebe Grüße
Sabine
Liebe Bine,
das ist auch ein Aspekt, über den ich mir schon manchmal Gedanken mache. Dass es Gegenden gibt, in denen man gut aufgehoben ist und in die man gut passt. Schön, dass Du diese Heimat für Dich gefunden hast. Du passt da auch gut hin, für mein Empfinden.
Liebe Grüße
Britta
Ich habe früher immer gesagt dass der Ruhrpott meine Heimat ist und dass ich ihn nie verlassen würde und im Grunde stimmt das auch aber wenn man das tiefer betrachtet dann liegt das nicht am Ruhrpott sondern am Haus! Unser Haus ist meine wirkliche Heimat und das steht nun mal im Ruhrpott! Wenn ich durch den Garten gehe oder aus dem Fenster schaue dann sehe ich den Hühnerstall wo wir schon in meiner Kindheit Hühner hatten und die Wiese die schon mein Opa gemäht hat! Ich sehe die alten Schuppen vor denen schon mein Onkel an alten Autos geschraubt hat und erinnere mich an die vielen Feste und Geburtstage die wir im Garten gefeiert haben…! Ich sehe einfach mal Leben und meine glückliche Kindheit! Ein Mehrgenerationenhaus ist einfach anders…! Mein wirkliches zu Hause ist dieses Haus in unserem kleinen Ort und nicht das Ruhrgebiet an sich denn das hat sich leider ganz schön verändert! Könnte ich das Haus und meine Familie mitnehmen dann könnte ich mir mittlerweile einen Wegzug in ein anderes Bundesland oder eine andere Region in NRW durchaus vorstellen…!
Die 10 Jahre in Essen waren toll und aufregend im Kontrast zum „Dorfleben“ aber wir haben da nur gewohnt! Es war eine Station aber nie richtig zu Hause und erst recht nicht Heimat…!
Ja, meine Liebe – da ich Euer schönes Haus kenne, erlaube ich mir den Kommentar: Euer Haus ist in meiner Vorstellung ein Haus, welches ich komplett mit dem Begriff Ruhrpott verbinde. Und ich verstehe sehr gut, was Du meinst, wenn Du sagst, dass das Ruhrgebiet sich verändert hat. Leider wenig zum Guten. Und auch wenn ich Dich schon in der alten Wohnung in Essen kannte – Du passt schon sowas von gut in Euer Haus, das ist ganz klar Deine Heimat.
Ich lese den Begriff Heimat… und zack habe ich einen ganz bösen Ohrwurm.
Kennst Du den Clip von Oliver Kalkofe, in dem er Judith und Mel mit ihrem Lied Heimatland auf die Schippe nimmt?
Soviel zum gemeinsamen Talent (un)passende Songs hervorzukramen.
Ich finde es immer wieder schön und besonders an Deinem Blog wie Du Gedankengänge aufgreifst und neue Gedankenbälle wirfst.
Meine Großmutter war sehr Heimatverbunden und musste ihr geliebtes Sudetenland als Flüchtling 1944 verlassen. Sie hat das nie verwunden. Auch mein Großvater verlor seine Heimat durch den Krieg. Vielleicht ist der Begriff deshalb bis heute für mich schwierig und mit ein bisschen Magengrummeln verbunden? Die unbewusste Angst sich irgendwo zu tief zu verwurzeln?
Da muss ich noch mal drüber nachdenken.
Sicher bin ich hier in Nordhessen tief verwurzelt, aber ich glaube, ich könnte auch gut irgendwo anders auf der Welt glücklich sein – besonders, wenn mein Mann bei mir ist. Er ist mein Zuhause ( auch wenn das sehr kitschig klingt ). Aber ich bin auch in mir selbst zuhause… mittlerweile.
Deine Liebe zum Niederrhein und zu den Niederlanden kann ich so gut nachvollziehen, ich würde mich da auch sehr wohl fühlen.
Ein Ort, der uns umarmt – was für eine schöne, treffende Umschreibung.
Du machst Dir Gedanken wo Du dann mal über dem Zaun hängen möchtest… ein sehr spannendes Thema, mit dem wir uns wohl alle viel zu wenig beschäftigen.
Der Plural von Heimat lautet Heimaten – ist es nicht ein schöner Gedanke, dass man mehrere davon haben kann?
Macht uns das freier oder unsicherer?
Himmel, da kommen die Gedanken wieder vom Stöckchen über‘n Ast zu Baum und Wurzeln.
Dank Dir dafür!!
Liebe Katja,
Dir erst nochmal danke für den Gedankenanstoß, bzw. dafür, dass ich meine Gedanken dazu verbloggt habe. Wie wir ja gerade schon auf Insta festgestellt haben, treibt dieses Thema doch wohl einige um. Was mich auch nicht wundert. Ich denke schon, dass unsere Zeit das mit sich bringt.
Ja, ich denke, die Geschichte Deiner Großmutter macht es auch noch für Dich schwierig. Ich bin aus mehreren Gründen ganz froh, dass meine Großeltern-Generation niederländische Bauern waren. Das gebe ich ehrlich zu. Familiengeschichtlich macht das einiges einfacher.
Es ist einerseits ein schöner Gedanke, mehrere Heimaten zu haben. Andererseits auch einer, der sich komisch anfühlt. Hat immer ein bißchen den Hintergedanken, dass man dann überall und nirgends zuhause ist. Aber mit unserer Definition von zuhause ist es dann auch schon mal wieder anders.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
danke für deine Gedanken zur Heimat. Du hast in vielen Sätzen geschrieben, was auch ich denke, würde nur „Niederrhein“ mit „Schleswig-Holstein“ ersetzen:-)
Diesen, deinen Satz nehme ich (leicht abgewandelt) mit, wenn ich mein Leben an der Mosel beschreiben sollte:
„Willkommen ja, aber ich bin kein Teil davon. Ich kann Geschichten von diesem Ort erzählen, aber ich bezweifle, dass dieser Ort eine Geschichte von mir erzählen würde.“
Heimat und Zuhause – ein Riesenthema, du hast es für mich sehr gut aufgedröselt!
Herzlichst
Gabi
Liebe Gabi,
mir scheint, Heimat ist für Dich aus ähnlichen Gründen ein ebenso schwieriges Thema wie für mich.
Ich denke, bei mir hat es auch was damit zu tun, dass meine Kinder weiter weg wohnen und ich mich dadurch – erst recht nach mehreren Umzügen – nicht so wirklich verwurzelt fühle. Und je älter man wird, desto mehr fehlt dieses Gefühl.
Aber solange wir Geschichten von unseren verschiedenen Heimatorten – gefühlten und derzeitigen – erzählen, ist ja auch etwas Gutes.
Liebe Grüße
Britta
Ich finde es wirklich interessant über diese Frage nachzudenken. Tatsächlich bin ich nämlich nie umgezogen und habe sogar die meiste Zeit meines Lebens im gleichen Haus gewohnt. Heimat ist für mich also tatsächlich ein bestimmter Ort und die Menschen darin.
Ich bin sehr gern unterwegs und am Reisen, aber es ist immer wieder schön dorthin zurück zu kommen. 🙂
Wow ! Das ist aber auch selten. Nie umgezogen! Irgendwie beneidenswert.
Und schön, dass Du Deine Heimat immer noch so sehr magst.