Ich bin im Vorruhestand und liebe alles daran. Viele meiner Freunde und Bekannten sind ebenfalls bereits im Ruhestand. Einige sind ebenso glücklich damit wie ich und genießen ihren neuen Lebensabschnitt. Andere hadern damit und sind nach dem Ausstieg aus dem Beruf unzufrieden. Warum ist das so? Was machen Menschen, die wirklich glücklich im Ruhestand sind, anders?
Der Unterschied zwischen den „happy on Mondays“ Ruheständlern und den Meckerköppen fiel mir in letzter Zeit öfter auf. Natürlich denke ich mir dabei meinen Teil. Aber ich habe auch mal genauer hingeschaut und festgestellt: Diejenigen, die glücklich mit ihrem Rentnerleben sind, haben einiges gemeinsam. Es gibt einige prägnante Lebenseinstellungen und Gewohnheiten, die sich bei Menschen, die glücklich im Ruhestand sind, herauskristallisieren.
Darum geht es in diesem Artikel:
Der Ruhestand bringt riesige Veränderungen mit sich. Während die einen aufblühen, verfallen andere in Frust und Orientierungslosigkeit. Anhand von 11 konkreten Beispielen zeigt best ager Bloggerin Britta Langhoff, was Menschen, die glücklich im Ruhestand sind, anders machen.
Warum ist „glücklich im Ruhestand“ eine Kunst?
Ich weiß noch genau, wie es in den Monaten vor dem Ruhestand war. Im Kreis der noch nicht aber bald Ruheständler drehte sich das Thema vor allem um Geld: „Wie hoch wird die Rente sein?“ „Haben wir ausreichend vorgesorgt, um auch nach dem Berufsausstieg ein komfortables Leben führen zu können?“
Jetzt – nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben – hat sich das auffällig verändert. Die Gesprächsthemen sind ganz andere. Beim regelmäßigen „Rentnertreff“ z.b. mit den früheren Kolleginnen und Kollegen geht es kaum noch um das liebe Geld, sondern um alle möglichen anderen Lebensbereiche und Pläne. Auch wenn man zufällig Bekannte von früher trifft, die es auch schon „geschafft“ haben, zeigen sich oft interessante Gegensätze zur derzeitigen und künftigen Lebensplanung. Auch hier ist Geld nicht das entscheidende Thema.
Manche gehen mit nur einem bescheidenen finanziellen Polster in den Ruhestand und blühen richtig auf. Andere fühlen sich orientierungslos. Nicht selten die, die ein gut gefülltes Bankkonto haben. Der entscheidende Unterschied ist klar auszumachen: Es geht darum, was das übrige Leben ausmacht. Und damit bin ich beim Punkt:
Glücklich im Ruhestand sein ist eine Kunst
Die Menschen, die wirklich glücklich mit ihrem Ruhestand sind, haben eine klare Vorstellung davon, was sie mit ihrer Zeit und ihrer wiedergewonnenen Freiheit anfangen wollen. Und sie sind eifrig dabei, ihre Vision zu verwirklichen. Sie werden mutig älter.
Was macht wirklich glücklich im Ruhestand? Diese 11 Dinge machen den Unterschied
1. Das richtige Mindset: Ruhestand als Neuanfang sehen
Viele Menschen denken zunächst nicht über das Erreichen des Ruhestands hinaus. Es macht den Eindruck, als ob der Ruhestand für sie eine Ziellinie ist: hart arbeiten, Geld sparen, in Rente gehen – und fertig. Das Glück kommt schon von alleine – denken viele. Wer mit dieser Denkweise in den Ruhestand geht, hat die Orientierungslosigkeit direkt mit gebucht.
Der Ruhestand ist kein Ende – er ist ein neuer Lebensabschnitt. Einer, der die Chance zu einem großen Neuanfang oder zu vielen kleinen Neuanfängen bietet. Ich hatte beim Abschied vom Berufsleben ein bißchen das Gefühl wie bei einem Schul- oder Uniabschluss: Berufsleben: Check. Abgehakt. Karriere: Check. Erfolgreich absolviert.
Und danach kam ein komplett neuer Lebensabschnitt. Im besten Fall – so wie bei mir – weiß man schon lange vorher, wie man diesen Lebensabschnitt gestalten will. Meiner Meinung nach der Idealfall.
Dennoch – Am allerwichtigsten ist zunächst, sich klarzumachen: Ruhestand ist nicht gleich Ende. Klingt simpel, ist aber ein unverzichtbarer Schritt.
2. Struktur im Ruhestand: Sanfte Routinen statt Orientierungslosigkeit
Der Ruhestand ist die Zeit, in der man die Regeln seines Lebens selbst aufstellt. Glückliche Ruheständler schaffen sich neue Routinen und eine neue Struktur. Sie hecheln nicht mehr straffen Zeitplänen hinterher, aber sie mäandern auch nicht planlos durch ihre Tage. Das Phänomen ineinander verschwimmender Tage kennt jeder aus dem Urlaub: Plötzlich weiß man nicht mehr, ob es Mittwoch oder Donnerstag ist und zack sind zwei Wochen um. Dieses Phänomen kann einen auch im Ruhestand ereilen.
Dem Captain und mir war es zum Beispiel von Anfang an wichtig, einen Unterschied zwischen Woche und Wochenende beizubehalten. Einfach so von unserem Empfinden her. Was nicht heißt, dass wir nicht gerne bei happy on mondays Unternehmungen dabei sind. Aber normalerweise klingelt bei uns unter der Woche noch der Wecker, wenn auch mehr als Back-Up. Wir sind meistens vorher wach. Aber wir wollen die Gewissheit haben, unsere Tage nutzen zu können. Am Wochenende bleibt der Wecker aus und es wird lange und ausgiebig gefrühstückt.
Jeden Tag aufs Neue nur in den Tag hineinzuleben, macht auf Dauer nicht glücklich. Es braucht ein Gleichgewicht. Bewusstes Nichtstun – das von mir so geliebte Niksen – ist großartig und wichtig. Aber genauso wichtig sind Ankerpunkte, die dem Tag und der Woche einen Rhythmus geben. Struktur auch ohne Stechuhr.
3. Gelebte Selbstfürsorge im Ruhestand
Meine Fürsorge galt in den letzten Jahrzehnten oft nicht mir. Sondern meinen Kindern und später auch meinen Eltern. Was besonders im Fall meiner Kinder schön und beglückend war. Unbestritten aber blieb wenig Zeit für Selbstfürsorge. Besonders gut habe ich nicht auf mich aufgepasst. Das hat sich seit meinem Ruhestand geändert. Nicht nur ich, sondern alle, die ich als glücklich in ihrem Ruhestand kenne, investieren bewusst Zeit in Selbstfürsorge. Das müssen nicht zwingend teure Wellness-Termine sein, kann aber natürlich auch. Regelmäßig nach draußen gehen, schöne Pflegerituale, selbst gekochte Mahlzeiten mit frischen Zutaten, Zeit für Pausen – all das ist gelebte Selbstfürsorge.

4. Beziehungen im späteren Leben pflegen und gestalten
Mir sind meine Familie und vor allem meine Kinder immens wichtig. Dennoch erwarte ich nicht, dass sie es sind, die meinem Leben Sinn verleihen. Das fände ich vermessen. Aber eine gute Beziehung zu ihnen zu haben und für sie da zu sein, wenn sie möchten, das ist mir immer noch wichtig.
Glückliche Ruheständler kümmern sich aktiv um all ihre sozialen Beziehungen. Im Ruhestand fallen die regelmäßigen Kontakte weg, die das Berufsleben sonst mit sich bringt. Dazu müssen die meisten von uns lernen, dass sich Freundschaften in späteren Jahren verändern. Initiative ist nun gefragt. Regelmäßige Anrufe, Chats, Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen. Mit Menschen, die einem wichtig sind und denen man selbst wichtig ist.
Wer versteht, dass es gerade in diesem Bereich mehr um Qualität als um Quantität geht, ist glücklicher. Menschen zu haben, mit denen man sich regelmäßig trifft, mit denen man lacht, sich austauscht und auf die man sich verlassen kann, ist Gold wert.
5. Lebenslanges Lernen: Neugierig bleiben
Man ist nie zu alt, um wieder Anfänger zu sein. Wissensdurst und Neugier auf alles, was das Leben bieten kann, sind eine gute Sache. Warum nicht einfach was völlig Neues lernen? Der Captain und ich lernen nicht nur auf unseren Törns regelmäßig dazu, wir haben auch gelernt, eine Webseite aufzusetzen und ein Buch zu veröffentlichen. Unser Nachbar poliert sein Französisch auf, bei uns im Hafen lernen viele deutsche Eigner Niederländisch. Ich habe ganz en passant gelernt, mit einem Design und Grafikprogramm umzugehen und wundere mich dabei immer wieder über mich selbst.
6. Aufschieben beenden und Träume leben
Ihr kennt mein Mantra: Wenn nicht jetzt, dann vielleicht nie! Glückliche Menschen wissen, dass Irgendwann die Vokabel ist, die man nicht auf seinem Grabstein stehen haben will. Der perfekte Zeitpunkt kommt selten und Aufschieben macht es nicht besser. Einer der häufigsten Gründe, warum Träume unerfüllt bleiben, ist der Satzanfang: „Wenn ich nur erst…..“
Alle, die glücklich im Ruhestand sind, wissen: Unser Leben ist keine Generalprobe. Es ist das, was wir genau jetzt daraus machen.
7. Ego und Beruf loslassen: Die eigene Identität nach dem Arbeitsleben
Menschen, die im Ruhestand besonders unzufrieden sind, sind die, die sich früher sehr über ihren Job definiert haben. Sich bewusst von dem verabschieden und loslassen, was man früher einmal war – für manche eine der schwierigsten Übungen im Ruhestand.
Es ist gängige Praxis, sich über die Berufsbezeichnung zu definieren: „Mein Name ist XY und ich bin Lehrer bei YZX“ Nun zu sagen: „Mein Name ist XY und ich bin im Ruhestand“ kommt vielen schwer über die Lippen. Sie verbinden – bewusst oder unbewusst – einen sozialen Abstieg damit. Menschen, die schon immer wussten, dass sie mehr sind als ihre Visitenkarte, tun sich da deutlich leichter.
Bei manchen kommt auch das Erkennen dazu, dass sie im Job bei weitem nicht so unverzichtbar waren wie angenommen. Man muss seine eigenen Erfolge und seine Karriere nicht klein reden, man darf sie wertschätzen, man darf sich gerne daran erinnern – aber besser ist es, wenn man das Wegfallen des alten Drucks einfach feiert und Neues zulässt.
8. Das Leben aufräumen: Ballast über Bord werfen
Wo wir gerade beim loslassen sind: Der Ruhestand ist eine gute Gelegenheit, auch andere Aspekte seines Lebens aufzuräumen. Stichwort: swedish death cleaning – dazu verweise ich auf meinen entsprechenden Artikel. Wer loslässt, hat beide Hände frei. Glückliche Ruheständler haben diesen Punkt verinnerlicht. Das gilt für den vollgestopften Dachboden genauso wie für alte Kränkungen oder verstaubte Pflichtgefühle. Leichtes Gepäck ist auf dem Wasser wie im Leben der beste Reisebegleiter.
9. das „graue Rauschen“ überhören – Souveränität statt Miesmacherei
Verwandt mit dem loslassen ist der Punkt: Nicht auf das grauen Rauschen hören! Rentnerbashing ist nach wie vor ein Clickbait, der in den Medien funktioniert. Ich schaffe es mittlerweile gut, das milde lächelnd zu überlesen und mir meinen Teil zu denken. Menschen, die auch im Ruhestand mit sich im Reinen sind, sind Experten in der Kunst des Ignorierens. Dazu gehört auch, dass man weiß, wofür man sein Energiekonto leert. Es gibt Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle sind – es kann Menschen ausbrennen, sich über alles mögliche aufzuregen und sich machtlos zu fühlen. Besser ist es, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die in unserer eigenen Hand liegen.
10. Finanzen im Ruhestand: Vom Sparmodus ins verantwortungsvolle Genießen
Ich sagte eingangs, dass die Höhe des eigenen Vermögens nicht das entscheidende Kriterium ist, um glücklich im Ruhestand zu sein. Dennoch ist es so, dass eine klare Finanzplanung und eine genaue Vorstellung der eigenen Einnahmen und Ausgaben ruhiger machen.
Viele müssen im Ruhestand auch lernen, umzudenken. Vom „Sparen und Vorsorgen Modus“ umschalten in den „Geld ausgeben dürfen Modus.“ Jetzt ist die Zeit, das Erarbeitete nicht nur wertzuschätzen, sondern es auch für sich zu nutzen. Es hat noch keiner was mit ins Grab nehmen können. (und kommt mir jetzt nicht mit Tutanchamun, es ist keineswegs ausgemacht, dass der sich im Jenseits von seinen Grabbeigaben was Schickes hat leisten können)
11. Das eigene Herzensprojekt: Sinn und Aufgabe für den Ruhestand finden
Der elfte Punkt ist der wichtigste und der, wo der Kreis zum ersten Punkt sich schließt. Sobald man verinnerlicht hat, dass der Ruhestand kein Endpunkt ist, sondern ein neuer und toller Lebensabschnitt, geht es darum, sein Leben mit Sinn und Würde zu füllen. Ich zitiere meinen Captain:
Man braucht als Rentner immer ein Projekt.
Der Gatte und ich hatten schon lange vor unserem Ruhestand einen gemeinsamen Lebensentwurf: Unser schwimmendes Zuhause und das Leben auf dem Wasser. Wer ein Boot hat, hat immer was zu tun – quasi ein Projekt auf Lebenszeit. Wir teilen aber auch andere Projekte – wie eben die Veröffentlichung als Self-Publisher oder im letzten Jahr unsere Hausrenovierung. Jeder von uns hat noch eigene Hobbys und auch diese teilen wir insofern, als wir uns für die Hobbys und Dinge des anderen interessieren und ihm zuhören.
Menschen, die glücklich im Ruhestand sind, haben etwas, was sie morgens mit Vorfreude auf den Tag aufstehen lässt. Für mich ist es das Schreiben oder das Reisen auf dem Wasser, für andere ist es der Garten, ein kreatives Hobby oder ein Ehrenamt. Entscheidend ist, dass man etwas vor Augen hat, auf das man hinarbeiten kann. Etwas, was einen erfüllt und glücklich macht. Einen Grund, warum man morgens aufsteht.
Fazit: Wie gestaltet man den besten Ruhestand?
Glücklich im Ruhestand sind die, die diesen Lebensabschnitt als ein weiteres Kapitel in ihrem Leben betrachten. Ein Kapitel mit mehr Freiheit, mehr Flexibilität und mehr Wahlmöglichkeiten. Ein glücklicher Ruhestand ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Für sich selbst und seine Zeit.
Man geht im Ruhestand nicht von etwas weg sondern auf etwas zu!
Der beste Ruhestand ist nicht der, der am teuersten ist oder auf social media am meisten her macht. Der beste Ruhestand ist der, der zu einem selbst passt. Was im übrigen aber durchaus auch für das ganze Leben gilt.

Wie erlebt Ihr Euren Ruhestand oder die Vorbereitungen darauf? Was könnt Ihr schwer loslassen? Habt Ihr Euer Projekt schon gefunden?
- Glücklich im Ruhestand – 11 Dinge, die zählenGlücklich im Ruhestand oder unzufriedener Grantler? Was glückliche Ruheständler anders machen – von neuen Routinen bis zum eigenen Projekt
- Die ersten 4 Wochen als BuchautorinVier Wochen ist mein E-Book Teil 1 Geschichten vom Deich jetzt online. Ein ehrlicher Rückblick auf den Start im Self-Publishing.
- 12 von 12 August 2026 – Licht und Schattenin 12 Fotos durch den 12 August 2026 – die beliebte Blogparade. Heute am Tag der Sonnenfinsternis und des Sternschnuppenregens.
- Mehr Pausen wagenMehr Pausen wagen – ein Plädoyer für mehr Entschleunigung in der zweiten Lebenshälfte
- Der Juli – ein überwältigender MonatRückblick auf den Juli 2026 – ein überwältigender Monat voller Höhepunkte.