Ein neuer Trendbegriff nimmt gerade an Fahrt auf: Pro Aging ! Nun bin ich eher die, die skeptisch auf neue Trendbegriffe schaut. Bei Pro Aging aber wurde ich aufmerksam: Ist das nicht genau das, was so viele der fabelhaften 50 plus Generation schon lange wissen: Älter werden kann so entspannend sein!
Ja! Endlich wird es Konsens. Denn der schöne neue Begriff Pro Aging kommt auf genau das heraus. Älterwerden von seinem Stigma befreien und annehmen. Das ist doch mal ein Trend, der mir gefällt. Wenn Pro Aging weiter trendet, kann dieser Trend eine Chance, mehr noch eine Befreiung sein. Wenn wir den Kampf gegen das Älterwerden endlich aufgeben, entsteht etwas anderes: Die Klarheit, dass die zweite Lebenshälfte mit neuen Chancen, Freiheit und Leichtigkeit verbunden sein darf.
Auf einen Blick: Worum es in diesem Artikel geht
Pro Aging verstehen: Warum Verzicht auf den Anti-Aging-Druck nichts mit Resignation zu tun hat, sondern mit Akzeptanz und Selbstbestimmung.
Sichtbar & Gelassen bleiben: Wie wir mit körperlichen Veränderungen und gesellschaftlichen Klischees entspannt umgehen und unsere Gelassenheit nutzen.
Innerer Frieden: Ein positives Manifest für die zweite Lebenshälfte und Antworten auf die Frage, wie Kopf und Spiegelbild in Einklang sind.
Pro Aging statt Anti Aging: Was bedeutet das eigentlich?
Anti Aging – diesen Begriff kennen wir alle. Seit Jahrzehnten im allgemeinen Wortschatz etabliert und nicht nur als Begriff selten hinterfragt. Anti suggeriert eine Abwehrhaltung, etwas wogegen man dringend etwas tun muss. Sofortiger Handlungsbedarf scheint nahe zu liegen. Anti Aging suggeriert unserem Unterbewusstsein den Kampf gegen verstreichende Zeit aufzunehmen und somit letztendlich gegen biologische Realität.
Pro Aging dreht diesen Spieß um und genau deswegen gefällt mir dieser Begriff auch so gut. Pro Aging suggeriert, dass Altern etwas ist, was man unterstützten kann. Pro Aging bedeutet nicht, dass wir resignieren oder uns vernachlässigen sollten. Es bedeutet schlicht: Wir behandeln das Älterwerden nicht mehr wie ein Problem, dass es zu lösen gilt. Älterwerden soll ein Gefühl sein, dass wir feiern und mit dem wir uns gut und schön fühlen.
Pro Aging sagt uns: Warum jedem Ideal hinterherlaufen oder uns rechtfertigen? Es ging hier im Blog schon öfter darum und wir sind uns einig: Es braucht Mut, sich vom Erwartungsdruck anderer freizumachen. Aber es lohnt sich. Vor dem entspannt älter werden steht das mutig älter werden. Die Belohnung ist unbezahlbare innere Freiheit. Vor allem auch die Freiheit, ganz entspannt mit unserem Alter umzugehen und unsere Möglichkeiten zu nutzen.
Pro Aging: Warum Älterwerden so entspannend sein kann
Wer kennt es nicht: Irgendwann in unseren Fünfzigern oder Sechzigern kommt dieser eine Moment: Wir schauen in den Spiegel und denken: „Hallo? Wer bist Du denn? Ich kenn Dich nicht, aber ich wasch Dich trotzdem.“ Der Blick in den Spiegel irritiert uns, wir stellen uns fest, dass das Gesicht nicht mehr ganz zum gefühlten Alter in unserem Kopf passt. Wir spüren doch noch so viel lebendige Energie, so viel Unternehmungslust, so viel Neugier.
An diesem Punkt sind wir empfänglich für die Rufe der Anti-Aging Industrie: „Hier! Greif zu! Das nächste Wundermittel gegen das Altern! Kämpf einfach dagegen an!“
Hand aufs Herz: Wer hat wirklich Lust auf diesen ewigen Kampf gegen die Zeit? Ich nicht. Ich habe dafür weder Lust noch Zeit.

Wozu ich auch keine Lust und keine Zeit habe: ständig gesellschaftlichem Erwartungsdruck standzuhalten. Das war mit das Erste, was ich spätestens mit Anfang 50 über Bord geworden habe. Mir braucht keiner kommen mit „Du siehst aber noch jung aus.“ Ihr könnt mir aber gerne kommen mit „Du siehst aber glücklich aus.“ Stellt Eure eigenen Regeln für die zweite Lebenshälfte auf und hört auf, sowohl gegen Fältchen als auch gegen gesellschaftliche Stempel anzurennen. Für mehr Leichtigkeit und Freiheit in diesem Lebensabschnitt.
Älter werden ist ein Geschenk! Man bedenke die Alternative.
Wenn Pro Aging mir bei meinem Plädoyer für „entspannt und gerne älter werden“ hilft, dann soll es mir recht sein. Und damit begrüße ich Pro Aging als nicht einfach nur ein neues Trendwort oder einen neuen Stempel auf einem Cremetiegel. Lasst uns Pro Aging zu einer bewussten Lebenshaltung machen – als direkte Antwort auf die Frage, wie wir mit Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Humor gerne älter werden.
Älter werden annehmen: Was sagt die Psychologie zum Trend Pro Aging?
Ich sage auch nicht: „Oh, endlich bin ich 60 Jahre alt geworden“ Aber ich sage klar und deutlich: „Ich bin 62 Jahre alt und ich bin stolz darauf“ Ich mag es, auf 62 Jahre gelebtes Leben zurück zu blicken und die nächsten Lebensjahre freudig zu begrüßen.
Warum aber blühen manche Frauen in der zweiten Lebenshälfte richtig auf, während andere mit dem Wandel hadern? In der Generation meiner Mutter war es Gang und Gäbe, dass vor allem die Frauen sich sehr schwer damit taten, ihr wahres Alter zu benennen, geschweige denn es anzunehmen. Das hat mich schon früh sehr gestört. Ich habe mich immer gefragt, warum diese Frauen bewusst ihr Licht unter den Scheffel stellen. Auch in meiner Generation kenne ich Menschen, die sich damit schwer tun und ihr Alter negieren.
Die Psychologie zeigt, dass die schlichte Selbstakzeptanz auch beim Altern der Schlüssel zur seelischen Gesundheit ist. Dass das keine bloße Wohlfühl-Theorie ist, belegen auch empirische Daten. Studien der Yale University zur Alterspsychologie zeigen, wie sehr eine positive und gelassene Einstellung zum eigenen Älterwerden nicht nur die physische Gesundheit stärkt, sondern auch unsere seelische und mentale Verfassung.
Wenn wir aufhören, Jugend als den einzigen Maßstab für Attraktivität und Wert zu definieren, verändert sich unser ganzes Nervensystem. Wenn das gesellschaftlicher Konsens wird, verändert sich noch viel mehr. Das Einzige, was wir nicht mehr akzeptieren sollten, ist Erwartungsdruck. Ob echt oder nur gefühlt.
Wie kommen wir zur Selbstakzeptanz und zur Akzeptanz unseres Alters?
Gut ist, die Veränderungen unseres Äußeren, unserer körperlichen Verfassung und auch unseres Gefühlsleben bewusst wahrzunehmen. Aber wir sollten aufhören, diese Veränderungen zu bewerten. Wer versteht, wie entspannt älter werden wirklich funktioniert, merkt schnell: Die Gelassenheit kommt mit den Entscheidungen, die wir täglich ganz bewusst für uns und unsere Bedürfnisse selbst treffen. Und die wir uns nicht von irgendwelchen Verkaufsparolen a la „sichtbar jünger in 14 Tagen“ einreden lassen.
Sichtbarkeit von Frauen ab 50 in unserer Gesellschaft
Was ich auch immer wieder lese und höre: Gerade Frauen ab 50 werden in der Gesellschaft unsichtbar. Viele Frauen – aber auch Männer – empfinden ab dem 50sten Geburtstag, manche auch erst mit dem 60sten, eine Art Unschärfe. Als würde die Gesellschaft sie leise, aber gezielt in den Hintergrund schieben. Wir müssen uns klar machen, dass wir da keine Opfermentalität einnehmen dürfen. Wir haben es selbst in der Hand:
Wer, wenn nicht wir, kann den Blick ändern, den die Gesellschaft auf uns hat?
Die Wahrheit ist: Wir sind nicht unsichtbar. Wir inszenieren uns nur nicht mehr in diesem Maße. Andere schreien nur lauter. Uns ist anderes als Selbstinszenierung wichtiger geworden. Wir sind viel souveräner und klarer als mit 40 Jahren. Und viel gelassener. Es gibt viele Dinge, die wir heute mit 60 anders – und entspannter – sehen als früher als mit 40.
Unsere heutige Ü50 Generation ist anders als frühere. Wir gestalten unseren Alltag bewusst, wir geben unserem Alltag Bedeutung, wir lernen Neues und wagen Neuanfänge. Und – wir setzen klare Grenzen. Was wir ruhig noch lernen könnten: Lauter zu sein, auf uns und unsere Lebenserfahrung aufmerksam zu machen. Unseren Platz in der Gesellschaft klar zu benennen und zu besetzen.
Körperliche Veränderungen ab 50 plus ohne Angst akzeptieren
Natürlich verändert sich der Körper. Die Haut wird feiner und ja, sie wird faltiger. Wir sind schneller müde, die Energie verteilt sich anders als noch mit 40. Die Beweglichkeit nimmt ab, die Muskeln finden, dass auch sie so langsam in den Ruhestand gehen könnten. Da brauchen wir kein „Läppken drum binden“ – unser Körper verlangt mehr Aufmerksamkeit. Das ist auch ok und das müssen wir einsehen.
Der Schlüssel liegt darin, vom Modus Selbstoptimierung in den Modus Selbstfürsorge zu wechseln. Pflege und Bewegung sollte etwas sein, was sich gut anfühlt und Spaß macht. Sie sollten jedoch kein Reparaturauftrag sein. Wir können unseren Körper ja auch als treuen Begleiter wertschätzen, der uns durch die letzten Jahrzehnte getragen hat. Auch wenn wir nicht immer gut zu ihm waren.
Und was unser Äußeres angeht: Unsere Falten oder unsere grauen Haare können wir auch stolz tragen. Betonen wir das, was wir an uns selbst mögen. Stolz zu uns selbst stehen, statt uns im ewigen Kaschieren zu verlieren – so verlieren die spür- und sichtbaren Veränderungen ihren Schrecken.
Wie gehe ich damit um, wenn ich mich im Spiegel älter fühle, als ich mich im Kopf fühle?
Zurück zum Spiegelbild: der Klassiker für best ager. Im Kopf sind wir gefühlt immer noch 35, voller Ideen und Bewegungsdrang – und beim Blick in den Spiegel schaut uns eine reife Frau oder eine sonorer älterer Herr entgegen.
Statt unser Spiegelbild argwöhnisch als Täuschung zu betrachten, könnten wir einfach darüber lachen. Uns zu zwinkern und uns sagen: Ja, wir sehen älter aus. Das sind die Spuren eines Lebens, das wir bis hierhin gerne gelebt haben und gerne weiter leben. Denn wir selbst, unser Geist ist neugierig und lebendig geblieben. So definieren wir die vermeintliche Diskrepanz zwischen unserem Spiegelbild und unserem Gefühl nicht mehr als Mangel, sondern als erweiterten Spielraum:
Wir haben uns unsere jugendliche Neugier und unseren Tatendrang bewahrt. Die Gelassenheit und die Weisheit des Alters haben wir dazu gewonnen.
Irgendwie doch ganz geil oder, wenn man es so betrachtet. Denn worauf wollen wir warten? Darauf, dass die neue Wundercreme ein Wunder vollbringt? Nicht wirklich oder? Widmen wir uns doch lieber dem, was wir wirklich tun wollen. Wenn nicht jetzt – dann vielleicht nie! Jetzt ist die beste Zeit, um die eigenen Träume wahr zu machen.

Mein Manifest für die zweite Lebenshälfte: JA zum Leben
Wenn ich meine Gedanken zum alten neuen Trend Pro Aging in wenige Leitsätze zusammen fassen müsste, dann käme dieses persönliche Manifest dabei raus:
- Ich schulde niemanden, auch nicht mir selbst, Jugendlichkeit. Ich bemesse meinen Wert an meiner Haltung, meiner Herzenswärme und meiner Lebenserfahrung
- Ich entscheide, was zu mir passt. Weder Modediktae noch gesellschaftliche Klischees schreiben mir vor, wie ich mich kleide oder verhalte.
- Ich feiere mein Alter und meine Zeit. Jeder Tag ist es wert, gelebt und gefeiert zu werden. Leinen los – raus aus der Warteschleife.
Einfach mal Ballast über Bord werfen kann dabei enorm helfen. Nicht nur sprichwörtlich, sondern gerne auch gedanklich. Die ganzen ungeschriebenen Regeln und Erwartungen „Was man als über 60 jährige nicht mehr tun sollte“ habe ich in diesem Artikel bereits ordentlich geschreddert und zerpflückt.
So gelingt Pro-Aging: 4 Schritte zu mehr Gelassenheit im Alltag
- Den Fokus verschieben:
Macht Eure tägliche Pflege zu Wohlfühlzeit und Selbstfürsorge – nicht zu einem Reparaturauftrag gegen Fältchen.
- Vergleiche stoppen:
Hört auf, Euer heutiges Spiegelbild mit Fotos von vor 20 Jahren oder retuschierten Werbebildern zu vergleichen.
- Erwartungen entlarven:
Hinterfragt bewusst Werbeversprechen und gesellschaftliche Klischees darüber, wie eine Frau ab 50 oder 60 zu sein oder auszusehen hat. Ich mache das gerne mit der bewährten Formel: Follow the money! Sehr erhellend.
- Eigene Regeln aufstellen:
Erlaubt Euch, so zu sein, wie es sich für Euch gut und stimmig anfühlt.
Fazit: Pro-Aging ist kein Trend, sondern Ankommen bei uns selbst
Pro Aging statt Anti Aging ist zwar im Moment in aller Munde. Aber es ist kein hysterischer Hype, sondern ein ehrlicher Weg zu uns selbst. Ich freue mich, dass dieser Trend so energisch seinen Weg ins gesellschaftliche Bewusstsein findet. Wenn wir aufhören, das Älterwerden zu bekämpfen, gewinnen wir Raum für das, was wirklich zählt: Lebensfreude, authentische Beziehungen, eigene Projekte, erfüllte Träume und eine gelassene innere Ruhe.
Älter werden kann verdammt entspannend sein – wir müssen uns nur trauen, es genau so zu leben!
Gestaltet Euch das Älterwerden so entspannt und frei, wie Ihr es verdient habt!
Häufige Fragen zu Pro-Aging & Gelassenheit im Alter (FAQ)
Während Anti-Aging das Älterwerden als Problem behandelt, das bekämpft werden muss, steht Pro-Aging für Selbstakzeptanz. Es geht nicht darum, sich nicht mehr zu pflegen, sondern darum, mit dem Rennen gegen die biologische Realität aufzuhören. Pro-Aging bedeutet, die zweite Lebenshälfte selbstbestimmt, gelassen und mit Freude zu gestalten.
Nein, überhaupt nicht. Der Unterschied liegt in der Motivation: Bei Anti-Aging ist Pflege oft ein Kampf gegen Fältchen. Bei Pro-Aging wird Pflege zu liebevoller Selbstfürsorge. Ihr pflegt Euren Körper, weil er Euch durchs Leben trägt und Ihr Euch etwas Gutes tun möchtet – nicht, weil Ihr mit 60 wie 30 aussehen wollt.
Viele Menschen erleben ab 50 oder 60 eine Form von gesellschaftlicher „Unschärfe“. Der Schlüssel liegt darin, den eigenen Wert nicht mehr über die Blicke oder Anerkennung von außen zu definieren. Die zweite Lebenshälfte bietet die Freiheit, eigene Regeln aufzustellen, klare Grenzen zu setzen und genau das zu tun, was uns wirklich guttut. Und klar dazu zu stehen, um die Sichtbarkeit zu schärfen.
Das Gefühl, im Kopf lebendiger zu sein als das Spiegelbild zeigt, ist ganz normal. Es zeigt, dass unser Geist neugierig und voller Energie geblieben ist. Seht die Spuren in Gesicht und Körper nicht als Mangel, sondern als sichtbare Lebenserfahrung und Weisheit – kombiniert mit einer unverändert frischen Einstellung.
Als für eine Pflegeserie 2007 für mich erstmals sichtbar der Begriff Pro Age eingeführt wurde, habe ich das ebenso gefeiert wie deren Normalo-Modells für die Boylotion auf den Plakaten. Ich will kein Anti, ich weiß, was ich will und bin und dann bitte Pro!
Lustig ist, dass mit steigendem Alter meine grauen Haare von anderen nicht mehr hinterfragt werden. Bin wohl mit 55 endlich als genug dafür :).
Einen entspannten Sonntag wünscht dir
Ines
Ich weiß, was Du meinst. Die Normalo Models haben mich auch angesprochen. Traurig, dass 2007 die Zeit für Pro Age noch nicht reif war. Aber jetzt kommt es hoffentlich so langsam.
Ja, das ist wirklich witzig. Ich mag Deine grauen Haare gerne. Ich selbst warte immer noch darauf. Meine Haare werden nur dunkler und während der Saison dann komisch ausgebleicht. Da muss meine Freundin immer noch mal ran. Mein Vater und meine Oma hatten ein wirklich schönes Weiß, das würde mir bestimmt auch gut stehen. Bin gespannt, wann das endlich kommt.
Liebe Grüße und Dir auch einen schönen Abend
Britta