Tag der älteren Generation

Veröffentlicht am 11 Kommentare zu Tag der älteren Generation
Grafik zeigt Britta Langhoff im Strandcafe mit Getränk, Text Tag der älteren Generation, ein Grund zu feiern. Älter werden kann so entspannend sein

Tach auch Liebeleins. Jaha. Heute ist der Tag der älteren Generation. Isset nich schön? Umständlicher hatten sie es nicht. Klar, die jüngere Generation, die die Texte dazu schreiben muss, ist ja stets darauf bedacht, keinem auf die Füße zu treten. Glückauf. Schon die ersten Artikel, die ich dazu sah, waren eher moralinsauer und mit erhobenem Zeigefinger geschrieben. Genug trinken im Alter! Bewegung ist wichtig im Alter! Blablabla. Aber sei es drum. Sag ich halt auch dazu. Quasi qualifiziert per Alter. Denn: so ist es nicht, so sind wir nicht. Lasst Euch nicht irritieren. Gut, dass ich einen anderen Ansatz hab. Außerdem ist heute auch noch Weltpartytag. Wenn Ihr mich fragt – ich finde das passt wunderfein zusammen. Und das mit dem genug trinken erledigen wir bei der Party dann auch noch nebenbei.  

Tag der älteren Generation? – Was soll das sein?

Laut diverser Online-Lexika und Portale ist es der Tag, der auf die Belange der älteren Menschen aufmerksam macht. Ach was. Wie nett. Da ich in social media ja auch als Frau von Belang firmiere – noch eine Qualifikation für mich. Wer sagt’s denn? Die Definition der Begrifflichkeit variiert übrigens schon beim Datum. Deutsche Land leistet sich zur Abwechslung eine Extrawurst – bei uns ist es immer der erste Mittwoch im April. Warum genau, entzieht sich meiner Kenntnis. Mir hat schon gereicht, dass es eine Stiftung „Lebensabend irgendwas Gedöns“ ausgerufen hat. Genauer wollte ich dann nicht mehr recherchieren. International ist der Tag der älteren Generation der 1. Oktober. In diesem Jahr wird er übrigens unter dem Motto „Ältere Generation und digitale Gerechtigkeit stehen“ Juchhu. Fühlen wir uns doch schon lange ungerecht behandelt im Netz. Nicht.

Was ist die ältere Generation?

Auch das ist nicht klar definiert. Vor 6 Jahren bekamen wir unseren ersten Seniorenrabatt. Da war ich 54, der Gatte 52. Angeboten wurde er von einem Vercharterer in den Niederlanden und wir haben den Rabatt natürlich gerne genommen. Lustig fanden wir es trotzdem. Es gibt ja den Begriff zweite Lebenshälfte, der gefällt mir eigentlich besser. Auch wenn er rein rechnerisch nicht ganz greift. Für mich ganz persönlich ist in meinem Kopf, meiner Denke die ältere Generation die Generation 50 plus. Die von mir bereits des öfteren als fabelhafte Generation bejubelt wurde. Schon alleine, um dem abschätzigen Boomer-Bashing etwas entgegenzusetzen.

Ältere versus jüngere Generation

Ist das wirklich so ein Ding, wie gerne suggeriert wird? Was will die ältere Generation noch mit der jüngeren anfangen und umgekehrt? Ich kann das nicht abschließend beurteilen. Ich neige aber zu der Annahme, dass dieser Konflikt wenn auch nicht medial erfunden, zumindest medial aufgebauscht wird. Spaltung generiert Clicks, das ist leider so. Nicht nur bei diesem Thema. Schaue ich in mein Erleben, in mein Umfeld sehe ich anderes. Mehr noch – ich finde, in meiner Jugend war das Thema Generationenkonflikt noch ein deutlich größeres.

Können die Generationen voneinander profitieren?

Aber sowas von. Auf jeden Fall. Nicht nur in meiner Familie gibt es ein großes Interesse der Älteren an der Lebenswirklichkeit der Jüngeren und umgekehrt. Wir holen gegenseitig Rat ein, wir profitieren gegenseitig von unterschiedlichem Erleben. Ich finde es großartig, wie die Herren Söhne bis jetzt ihre Wege gegangen sind – und da war nicht zuletzt in Zeiten der Pandemie nicht immer alles rosig. Ich finde manche Dinge aus ihrer Lebenswirklichkeit ganz anders als wie ich die Dinge mache, aber ich finde es immens spannend.

Die ältere Generation und Digitalisierung

Meine Generation mag das Internet erfunden haben, aber meine Kinder sind damit und darin aufgewachsen. Sie haben einen anderen Umgang damit als ich, einen selbstverständlicheren. Sie haben en passant andere Vorteile daraus gezogen, an die ich nicht einmal gedacht hätte. Für viele jüngere ist es zum Beispiel selbstverständlich, vieles im Netz auf englisch zu tun oder zu konsumieren. Meine Jungs sprechen ein absolut flüssiges Englisch, der jüngste hat ja sogar auf englisch studiert. Ein Großteil dieser Kenntnisse kommt aus ihrem Umgang mit digitalen Medien, das sagen sie selbst. Finde ich großartig. Die ältere Generation ist die, die sich in den 80ern gegen die Volkszählung aufgelehnt hat und bis heute mit mehr Skepsis an Themen wie Datenspeicherung herangeht.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, welche die Vorteile der Digitalisierung klar erkannt haben. Es sind nicht wenige, die als Ü50 Blogger auch in sozialen Medien ihre Stimme erheben und die Chance zu mehr Sichtbarkeit und Vernetzung nutzen. Und sich dabei durchaus gerne Rat bei den jüngeren holt. Dutzende Memes im Netz zeugen davon. Dennoch – Ihr erinnert Euch an die Tutorials, die uns geholfen haben, als wir als Laie diese Webseite ohne Vorkenntnisse erstellt haben! Das ist doch ein Paradebeispiel dafür, wie sehr die ältere Generation in sozialen Medien von der jüngeren profitierten kann.

Digitale Gerechtigkeit für ältere Menschen

Die ältere Generation und digitale Gerechtigkeit – so soll ja das Motto für den internationalen Tag der älteren Generation lauten. Ach komm, hört mir auf. Das hat schon wieder so einen selbstmitleidigen Unterton. Gerechtigkeit kann man sich durchaus selbst verschaffen. Was ist das für ein blödes Motto? Selbstmitleid ist zwar en vogue -aber ganz sicher nicht bei den Älteren. Steht auch keinem gut zu Gesicht. Den Schuh brauchen wir uns nicht anziehen lassen. Ganz ehrlich – ich fühle mich im Netz nicht ungerecht behandelt. Auf die Idee bin ich noch nie gekommen. Klar, ich bewege mich auch im Netz in der Bubble der Ü-50jährigen. Aber nicht nur. Gerade beim Thema Leben auf dem Wasser/anders leben begegne ich in sozialen Netzwerken Menschen aus allen Generationen. Da geht es immer um die Themen an sich, um Anregungen, um Inspirationen. Das Alter interessiert dabei keinen. Ganz im Gegenteil. Ich habe zum Beispiel auf Instagram über das Thema Bootsleben einige jüngere Frauen kennengelernt und mittlerweile tauschen wir uns auch zu anderen Themen aus. Einige sind mitten im Thema berufstätige Mutter und sie fragen durchaus, wie es bei mir so war. Um als jüngere Generation von der Erfahrungswelt der älteren Generation zu profitieren.

Und was ist jetzt mit dem Boomer-Bashing?

Nichts ist damit. Wenn ich das in meinem Umfeld zu hören kriege, dann klar augenzwinkernd. Verbitterung finde ich immer nur in ebenso klar ersichtlichen Clickbait-Artikeln. Ich lese ja gerne ausländische Medien, weil mir die deutschen ach lassen wir das. Anderes Thema. Also – ich las neulich einen Artikel, in dem sich jüngere beschwerten, dass die ältere Generation ihr ganzes Erbe verjubelt. Wo doch heutzutage alles so teuer geworden sei und man als jüngere Generation sich nichts mehr aus eigener Kraft aufbauen kann. Ich will da jetzt gar nicht auf pro und contra Argumente eingehen, aber auch das war so klar reiner Clickbait. Wir haben den Kindern ihre Wunsch-Ausbildung ermöglicht, die sie sich gewünscht haben und die es wiederum ihnen ermöglicht, so zu leben, wie sie möchten. Sie neiden mir nichts, sie erwarten auch jetzt nichts mehr. Ganz im Gegenteil. Sie freuen sich mit uns, dass wir uns soviel gönnen, soviel erlauben können. Zur Wahrheit gehört wahrscheinlich auch: sie sind in einem Winkel ihres Herzens froh darüber, dass Muttern als Autorin beschäftigt ist und ihnen nicht dauernd auf den Geist geht. Sei ihnen zugestanden.

Wie feiern wir denn jetzt den Tag der älteren Generation?

Egal, wie. Hauptsache, wir feiern ihn und beklagen ihn nicht. Wie eingangs erwähnt, ich finde es überaus passend, dass heute auch Weltpartytag ist. Sollte es welche aus der jüngeren Generation geben, die gerne Boomer bashen, sage ich ihnen: Ja, wir sind viele. Deal with it. Zieht doch Euren Vorteil daraus. Gebt uns doch was, wofür wir Euch unsere Kaufkraft geben. Wir Älteren profitieren gerne von Euren Ideen, Euren Innovationen. Wir kaufen gerne bei Euch. Nur nicht gerade die Produkte für Blasenschwäche. Dann sind alle zufrieden.

Foto aus der Grafik, Britta Langhoff, Getränk, strandcafe
Salute Ihr Lieben. Alles Gute zum Tag der älteren Generation

Da wir gerade festgestellt haben, dass dieses Bashing im tatsächlich wahrgenommenen Umfeld gar nicht existiert, können wir uns und unser Alter einfach auch feiern. Entspricht unserer Entwicklung auch eher. Im alten Blog hatte ich das Gemeinschaftsprojekt der Gründe, warum wir 50 plus so fabelhaft sind. Der am häufigsten genannte Grund war die entspannte Gelassenheit, die man mit zunehmendem Alter gewinnt. Diesen Grund feiere ich nach wie vor am meisten und man kann es gar nicht oft genug sagen: Älter werden kann so entspannend sein. Wir sind jung genug, um noch alles zu können. Aber wir sind alt genug, um nichts mehr zu müssen. Das ist doch großartig oder?

Erzählt mal. Wie ist es bei Euch? Fühlt Ihr Euch benachteiligt? Die Frage geht an alle, die aus der jüngeren und die aus der älteren Generation? Was läuft gut, was könnte besser laufen?

Von Britta Langhoff

Bloggerin und Autorin

11 Kommentare

  1. Die Abgrenzung, wer zur jüngeren und wer zur älteren Generation gehört, ist ja völlig undefiniert. Ich hänge irgendwo dazwischen – nicht mehr ganz jung und auch nicht ganz alt – und finde es eher bedenklich, dass die Generationen medial so gerne gegeneinander ausgespielt werden. Da gibt es nämlich ganz handfeste Probleme wie die unklare Finanzierung der späteren Renten, die durch solche Polemik nicht leichter zu lösen sind. Das macht den jungen Menschen (und auch den nicht ganz so jungen) Angst und die ist wiederum immer ein schlechter Ratgeber. Da bräuchte es eher einen „Tag des Verständnisses füreinander“ – oder wir bleiben einfach beim Weltpartytag, Feiern verbindet!
    Let´s party 🥳

    1. Yepp. Genauso ist es. Ich ärgere mich auch über diese medialen Zuspitzungen, die machen nichts besser. Zumal ich es im eigenen Umfeld anders erlebe. Und ja – Angst ist immer ein ganz schlechter Ratgeber. Das haben wir m.E. in den Krisen der letzten Jahre zur Genüge erleben müssen.
      Wir sollten den „Tag des Verständnisses“ echt ausrufen, das ist eine schöne Idee.
      Mit Feiern natürlich. Das hilft auf jeden Fall !
      Liebe Grüße und Stößchen !

  2. Jung und Alt sollten voneinander profitieren. Sehe ich auch so.
    Mir ist es im Prinzip egal, ob es einen speziellen Tag der älteren Generation gibt. Heute wird ja für alles und jenes ein Tag ausgerufen. Aber warum nicht, wenn dann die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird. Rabatte nehme ich immer gern 🙂

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Mir sind solche Tage eigentlich auch egal. Ich bin da gestern morgen drüber gestolpert. Ich las davon in den Schlagzeilen, natürlich mit erhobenem Zeigefinger. Was die ältere Generation unbedingt beachten muss. Genug trinken z.b. – und dann las ich vom Weltpartytag. Dachte mir so, genug trinken, Weltpartytag und Tag der älteren Generation – das passt doch viel besser als immer nur der belehrende Ton. Lenke ich mal die Aufmerksamkeit darauf, dass wir ganz anders sind. Und ja – Rabatte nehm ich auch gerne.
      Liebe Grüße
      Britta

  3. Wie will man in der heutigen Zeit, wo die Menschen immer fitter und älter werden von Senioren sprechen.
    Und die junge Generation lebt work /Balance. Das passt für mich nicht.
    Wer auch immer sich sowas ausgedacht hat….

    1. Ich find Senioren auch einen unpassenden Begriff. Es hat irgendwie immer sowas von Kopf tätscheln. Aber trotzdem noch besser als einfach die Alten. Ich glaube übrigens nicht, dass die jüngere Generation in erster Linie nur auf work life/ Balance achtet. Das spielt zwar auch eine Rolle, aber in meinem Umfeld erlebe ich viele ehrgeizige und hart arbeitende junge Leute in allen Bereichen. ich glaub, das ist auch so ein bißchen medial gesteuert.

  4. Also den Rabatt hätte ich natürlich auch gern genommen aber mit Anfang 50 von „Seniorenrabatt“ zu sprechen finde ich ja echt frech! Ab 50 würde auch von „älterer Generation“ sprechen aber bestimmt nicht von „Senioren“! „Senioren“ fangen für mich ab 70 an…!

    1. Es war ja ein niederländischer Vercharterer. In NL gibt es so blöde Wörter wie Senioren-Rabatt eigentlich nicht. Die Niederländer schreiben immer „Korting vanaf“ und dann kommt die Aktion, die sie sich ausgedacht haben. Da sind die ja sehr erfinderisch. Aber der Vercharterer hatte definitiv lieber ältere Kunden. Vermutlich in der Hoffnung, dass die mit den Booten pfleglicher umgehen. Wir haben das für uns den Senioren-Rabatt genannt, andere Kunden, die wir da getroffen haben, allerdings auch. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert