Warum habe ich mein Buch als Self-Publisherin veröffentlicht? Wie bei allen großen Warum-Fragen im Leben ist die plumpe Antwort die ehrliche: Warum nicht? Besser kann ich die Frage, warum ich mir keinen Verlag gesucht habe, beantworten. Die Antwort ist so schlicht wie eigensinnig: Ich will es eben so, wie ich es will.
Darum geht es hier:
Ein Buch im Eigenverlag herauszubringen, erfordert neben Disziplin vor allem Mut. In ihrer Reihe „Hinter den Kulissen einer Romanveröffentlichung“ erzählt best ager Bloggerin Britta Langhoff von ihren Self-Publishing Erfahrungen, warum sie sich bewusst gegen eine Verlagssuche entschieden hat und welche technischen Stolpersteine im Weg waren, bevor ihr Buch „Wer rote Rosen will, muss sie selber pflanzen“ bei Amazon KDP erschien. (Nicht nur, aber auch: *Werbung in eigener Sache*)
Warum habe ich mich für Self-Publishing entschieden?
Ganz ehrlich: Als wir kurz vor dem Drücken des Veröffentlichen Buttons bei Amazon KDP Select waren, habe ich mich doch für einen kurzen Moment gefragt, ob ich noch ganz gescheit bin. Trotz wochenlanger Vorbereitungen fühlte es sich an wie ein verdammt mutiger Sprung kopfüber von Bord ins kalte Wasser. Aber wenn ich eins gelernt habe: Die besten Geschichten beginnen immer genau außerhalb unserer Komfortzone.
Es blieb die Frage: Was habe ich zu verlieren? Genau. Nichts. Ich war mir sicher, dass ich mir keinen Verlag suchen will. Eher hätte ich nicht veröffentlicht.
Warum habe ich keinen Verlag suchen wollen?
Ich habe lange Jahre bei renommierten Kulturportalen mitgearbeitet und mich mit vielen anderen Rezensenten sowie Verlagsmitarbeitern als auch mit Autoren ausgetauscht. Seit einiger Zeit beobachte ich die Buchszene auch auf social media und heute wie damals frage ich mich: Was bitte ist das für eine Tretmühle und wo bitte bleibt hier die Kreativität?
Ich weiß sehr genau, wo bei meinem Roman ein klassischer Verlagslektor drangegangen wäre. Was er empfohlen hätte, was seiner Meinung nach hätte gekürzt und umgestellt werden müssen. Alleine bei meinen Einschüben – den Geschichten vom Deich – hätten vermutlich jeder Lektor die Hände über den Kopf zusammen geschlagen. Genau diese Diskussionen aber wollte ich nicht. Mir geht das glattgebügelte Angebot auf Nummer Sicher bei Büchern genauso auf den Geist wie in den sozialen Medien und Blogs. Ich wollte Freiheit statt Diskussionen über Einheitsbrei.
Lieber Amateur, dafür ehrlich. Lieber einzig und definitiv nicht artig.
Britta Langhoff
Wie funktioniert Self-Publishing über Amazon KDP?
Um klar zu sein: Ich gebe hier nur einen Einblick hinter die Kulissen meiner Romanveröffentlichung. Zu mehr fühle ich mich nicht berufen. Die Routenplanung und Umsetzung, sprich Formatierung, Buchsatz und Rechtschreibprüfung hat mir der Captain abgenommen. Mein Beitrag bestand größtenteils darin, mir seine Flüche anzuhören und Verständnisfragen zu stellen, die ihn im besten Fall weitergebracht haben.

Das Bild oben habe ich mit Hilfe der KI Gemini erstellt. Für die technischen Details des Self Publishing hat der Captain auch die KI befragt. Das war allerdings mit Vorsicht zu genießen: Genau wie sie in obigem Bild den Autorennamen weggelassen hat, macht die KI sich gerade in Antworten zur Technik die Welt gerne so, wie sie ihr gefällt. Alles in allem wundert es mich nicht, dass viele Self-Publisher dies als teuer zu bezahlende Dienstleistung auslagern.
Nachdem feststand, wir publizieren auf jeden Fall selbst, war direkt klar: Wenn, dann über Kindle Direct Publishing – kurz KDP. Zu den Gründen gleich mehr. Nach Formatierung führte unser Weg also ins KDP Dashboard. Wenn man ein Amazon Konto hat, ist die Verifizierung leicht. Wenn man sie noch nicht hat, ist eine Zwei-Schritte-Authenfizierung obligatorisch.
Die Durchleitung durch die letzten Schritte bei KDP ist verständlich strukturiert, im Dashboard werden zudem auch Online-Kurse und eine ausführliche FAQ Sektion angeboten. Die finale Rechtschreibprüfung funktioniert besser als gedacht. KDP bietet auch Unterstützung bei der Cover-Gestaltung an. Damit werde ich mich vor Teil zwei ausführlicher beschäftigen. Ich habe mein Cover mit Hilfe der App Canva und Bildbearbeitungsprogrammen am PC und Smartphone selbst gestaltet – auf Basis eigener Fotos. Eine KI habe ich dafür bewusst nicht bemüht. Mrs „better safe than sorry“ fand das schlicht zu heikel.
Wenn ich einen einzigen Rat aus meinen Self-Publishing Erfahrungen geben darf, ist das dieser: Gut Ding will Weile haben.
Die „Slow Motion“-Regel beim Formatieren im Self-Publishing
In der Schifffahrt gibt es eine goldene Regel für jedes Manöver:
Langsam fahren = kleiner, korrigierbarer Fehler.
Schnell fahren = großer Fehler, der meist zum Abbruch zwingt.
Genau das gilt auch beim Self-Publishing: Alles langsam angehen lassen und zigmal kontrollieren, was man eingestellt hat. Wir haben beispielsweise zwei Wochen lang gerätselt, warum das Cover in der Amazon-Vorschau immer nur in Schwarz-Weiß erschien. Bis uns auffiel, dass der Captain bei den Format-Einstellungen „Kindle Paperwhite“ gewählt hatte statt „Tablet“. Alle anderen Kindles gelten nämlich als Tablet.
Warum haben wir uns für KDP entschieden?
Ich sag es wie es ist: Amazon ist Marktführer und bietet für Indie-Autoren eine Menge Vorteile. Ich selbst lese mit dem Kindle und ich lese viel. Ich schaue mir auch fast täglich die aktuellen Kindle Deals an, lade mir Leseproben runter und schaue mir die Profile anderer Autoren an. Somit ist mir das Umfeld vertraut.
Amazon KDP ist etabliert, bewährt und bietet Support. Wenn man in Kindle Select aufgenommen wird, kann man sein Buch auch den Lesern des Kindle Unlimited Programms zur Verfügung stellen, die das Buch dann ohne weitere Kosten lesen können. Das hilft dem Algorithmus und der eigenen Sichtbarkeit. Im Dashboard kann man zielgenaue Metabeschreibungen und Keywords eingeben – da kann ich mein gesammeltes Blogwissen zwar nicht eins zu eins übertragen, aber doch nutzen.
Bei KDP Select kann man zudem an Werbeaktionen teilnehmen – da beschäftige ich mich nächste Woche mit. Mein Autorenprofil ist mittlerweile auch freigeschaltet. Für die Online Suche hilft auch das. Über das KDP Dashboard kann man auch eine Print on Demand Version hochladen. Damit beschäftigt sich gerade der Captain. Besser gesagt: er flucht mal wieder. Noch hat er die Leinen nicht gelöst, aber ich bin sicher, er findet den Knoten. Für die, die lieber gedruckt lesen: Wartet noch ein bißchen. Auch im Holzschnitt wollen rote Rosen erst gepflanzt werden.
Wenn ich mein Buch aus Kindle Select rausnehme, hätte ich auch die Option, mein Buch über andere E-Book-Anbieter wie Tolino anzubieten. Ob ich diese Option je nutze, weiß ich noch nicht. Da muss ich erst noch einiges zu recherchieren und so bleibt das zunächst vage im Hinterkopf.
Warum wollte ich meine Geschichten vom Deich unbedingt veröffentlichen?
Ich habe es gemacht, weil ich es richtig fand. Und es mir wichtig ist. Wenn es mir wichtig ist, dann ist es wichtig. Mich daran als Leitsatz zu halten, habe ich mir selbst versprochen. Anni mit Ka, ihre Familie und ihre Geschichten vom Deich sollten nicht im sicheren Heimathafen verharren, sie sollten Kurs nehmen durch unbekannte Gewässer. Das gilt für die Roten Rosen genauso wie für die noch kommenden Bände. Teil 3 wird ernster und in der düsteren Zeit von Big C spielen. da ist es mir ganz unbescheiden wichtig, dass es in der Welt ist. Dass ich es aufgeschrieben habe, dass es nachzulesen ist.
Mir ist völlig klar, das Bücher schreiben bei mir Liebhaberei bleiben wird. Ich bin in der luxuriösen Position, mir das leisten zu können – sowohl von meinen Lebensumständen her als auch ganz profan finanziell. Solange ich nicht noch Geld mitbringen muss, bin ich damit fein.
Mir ist das Schreiben wichtiger als das Veröffentlichen. Schreiben ist für mich ein essentielles Bedürfnis – ich würde selbst bei zig Verrissen weiterschreiben. Aber natürlich brauchte ich den Mut zum Veröffentlichen. Ohne die Rückendeckung hier auf dem Blog hätte ich diesen Schritt kaum gewagt.
Ich freue mich über jeden einzelnen Menschen, der das Buch liest. Und noch mehr, wenn es euch gefällt. Über gute Rezensionen freue ich mich wie blöd. Die ersten beiden Rezis sind schon da und beim Lesen hatte ich kurz leicht verschwommene Sicht… Keine Ahnung, wer ausgerechnet in diesem Moment Zwiebeln neben mir geschnitten hat! Mehr als das wollte ich nie.
Ab wann ist man zu alt, um noch ein Buch zu veröffentlichen?
Vorweg: Für einen großen Traum ist man niemals zu alt. Punkt. Als ich mich entschied, mein Angestelltendasein an den Nagel zu hängen und gleichzeitig saisonal auf dem Wasser zu leben, war das mein erster großer Befreiungsschlag. Doch das Manuskript rund um meine Deich-Geschichten lag immer noch unvollendet in der Schublade. Klar, ich habe mich gefragt:
Braucht die Welt wirklich noch einen Roman von einer Best-Ager-Autorin? Ist es dafür nicht irgendwie zu spät?
Was für jeden Neuanfang gilt, gilt auch für’s Bücher schreiben. Ein Neuanfang hat kein Verfallsdatum. Rosamunde Pilcher hat ihre Muschelsucher auch erst mit 63 Jahren veröffentlicht. Die Muschelsucher sind übrigens eine wirklich gute Familiensaga, auf dieses Buch lass ich nichts kommen. Dass sie anschließend in die Tretmühle des gefälligen Schreibens geriet – vielleicht wäre ihr das als Self-Publisherin nicht passiert. Nur mal so nebenbei.
Das Projekt anzupacken, die ungeschriebenen Regeln des Buchmarktes zu lernen und sich durch die Technik des Self-Publishings zu fuchsen, war anstrengend. Ja. Aber genau wie schon bei der Erstellung meiner eigenen Webseite hat es mir gezeigt: Die Antwort ist nicht nur „Warum nicht“ , die Antwort ist auch „Weil ich es kann.“ Ich gehöre zu den Ü50-Bloggern, sogar zu den Ü60 Bloggern und bin mir nicht nur sicher, dass ich viel zu erzählen habe, sondern dass meine Geschichten durchaus von Interesse sind. Also:
Ich habe nicht darauf gewartet, dass ein Verlag anklopft und mir rote Rosen schenkt. Ich habe sie mir einfach selbst gepflanzt!
Wie könnt Ihr mich als Indie-Autorin unterstützen?
Wenn Ihr ein Kindle-Unlimited Abo habt, gebt meinem Buch eine Chance. Wenn Ihr keinen Kindle habt, könnt Ihr es mit Hilfe der Kindle App trotzdem lesen. Wenn Ihr das Buch – gekauft oder geliehen – gelesen habt, hinterlasst gerne eine ehrliche Rezension auf Amazon. Das hilft meiner Sichtbarkeit enorm.

Auch Links, Erwähnungen, Re-Tweets und Re-Posts auf Insta oder anpinnen auf Pinterest sind eine große Hilfe. Habt Ihr einen Podcast, der sich mit mutig älter werden oder den Romanthemen Landleben/ Neuanfang beschäftigt – ich wäre offen für ein Interview. Auch gegenseitige Vernetzung ist eine große Hilfe. Schreit „hier“ und ich bin da.
Eine erste Leseprobe findet Ihr hier und unter dem Schlagwort hinter den Kulissen findet Ihr weitere Einblicke aus der Schreibkajüte zur Romanveröffentlichung.
Offenlegung: Diesen Artikel kennzeichne ich als Werbung in eigener Sache. Die Nennung von Markennamen dient der Klarstellung und Transparenz. Keine dieser Marken hat mich beauftragt oder eine Kooperation angeboten. (Warum eigentlich nicht, Zwinkersmiley) Alles selbst bezahlt. Und ja – ich nutze meinen Blog, um mein Buch zu bewerben. Dennoch liegt mir der Blog und der Austausch sehr am Herzen. Mir ist es wichtig, Euch mit hinter die Kulissen zu nehmen. Denn in diesem Blog geht es um alles, was das Leben für uns best ager schöner macht. Und was gibt es Schöneres, als sich einen Traum zu erfüllen?
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