Viele träumen ihn: Den Traum vom idyllischen Landleben. Raus aus der Großstadthektik, rein ins naturverbundene Dorfleben. Ruhe, langsamer tickende Uhren, freundliche Nachbarn – eine warmherzige Umgebung, in der das Leben sich besser anfühlt. Doch wie jede Idylle hat auch das Landleben so seine Ecken und Kanten.
Darum geht es hier:
Ein Neuanfang auf dem Land konfrontiert mit ungeschriebenen Gesetzen. Britta Langhoff erzählt, wie ihre Romanfiguren im Dorf ankamen und die Ecken und Kanten der vermeintlichen Idylle kennenlernten.
Umzug aufs Land: Was erwartet mich? Was erhoffe ich?
Wer seinen Tagtraum vom Landleben ausschmückt, landet gedanklich oft in einer liebenswerten Idylle: Man zieht aufs Land, schafft sich sein kleines Paradies mit Garten, in dem man gemütlich auf dem Liegestuhl liegend den Schäfchenwolken hinterher schaut. Die echten Schafe grasen am Deich hinter dem Garten, die Nachbarn winken freundlich über den Gartenzaun und bieten ihre Hilfe an. Abends sitzt man in geselliger Runde zusammen, während die Dorfkinder frei durch Bullerbü stromern.
Genau diese Sehnsüchte trieben auch meine Romanfigur Annika und ihre Familie an den Niederrhein. Das Leben in der Stadt war nicht das Leben, was sie sich für ihre Kinder vorgestellt hatten. Kein Platz zum Toben, dafür aber Chinesisch-Kurse schon für die Kleinsten. Die meisten Kinder haben Terminkalender eines Managers würdig und können sich nur mit viel Mühe einfach zum Spielen verabreden. Annika selbst hat zwar Freundinnen in der Stadt, aber sie sieht sie kaum. Alle beschäftigt. Und im direkten Umfeld empfindet sie die Anonymität als bedrückend.
Wieviel schöner wäre es auf dem Land? Die Kinder gehen einfach raus und können sich mit ihren Freunden ungehindert austoben. Die Mütter halten zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Das entspanntere Landleben beruhigt gestresste Mütternerven und setzt neue Kreativität frei. Soweit der Plan meiner Romanfamilie. Spoiler: Ab und an ging der Plan sogar auf. Aber haben sie wirklich das Paradies gefunden oder feststellen müssen, dass die Idylle Landleben eine mit Ecken und Kanten ist?
Warum das Landleben kein Selbstläufer ist
Doch beim Schreiben meines Familienromans war mir eines besonders wichtig: Ich wollte kein kitschiges Märchen erzählen und das Dorfleben glorifizieren. Das echte Landleben ist eine Idylle mit Ecken und Kanten. Die ungeschriebenen Gesetze auf dem Land zu lernen braucht seine Zeit. Sich in eine Gemeinschaft einzufügen erfordert Geduld, eine Portion Mut und ebenfalls Zeit. Dass sich in meinem Deichkosmos eine ganz neue Gemeinschaft bildet, kommt nicht von ungefähr.
In meinem Roman ziehen Annika und ihre Familie voller Hoffnung an den Niederrhein. Sie finden ihr Traumhaus in einem kleinem Dorf hinter dem Deich. Was sie unterschätzen: Ein Dorf ist eine eingeschworene Gemeinschaft. Hier kennt jeder jeden, jeder weiß alles über jeden. Strukturen sind über Jahrzehnte gewachsen.

Es ist nicht einmal so, dass die Alteingesessenen den neu Hinzugezogenen gegenüber ablehnend sind. Im Gegenteil: Die meisten haben Angst, dass die Dörfer aussterben und sind bereit, den Neuen das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Aber viele der Dorfbewohner arbeiten mit und auf dem Land. Das Leben in den Bauernschaften ist hart und hat vor allem eins: keine Zeit. Für die Landwirte sind die Schafe kein Teil der Landschaft, sondern Teil ihres Berufslebens. DAS ist die gelebte Realität der Dorfbewohner.
Nach dem Kindergarten ein Pläuschen halten: keine Chance. Die nächste Arbeit auf dem Hof wartet bestimmt. Meine Romanfigur Annika hingegen wartet lange, bis sie ins Gespräch mit den anderen Müttern des Dorfes kommt. Und auch für sie sind die Schafe schnell nicht nur ein schöner Anblick, sondern nervige Hindernisse auf ihren Wegen. Wie man im niederländischen Nachbarland zu sagen pflegt: Let op drempel!

Ungeschriebene Regeln auf dem Land: Wenn Idylle Reibung erzeugt
„Drempels“ gilt es auch im Alltag zu umschiffen. Es entstehen Missverständnisse. Kleine Fehltritte, ungewollt und unbewusst. Meine Protagonistin Annika ist viel alleine, sie hat bedrückende Anonymität gegen erdrückende Ruhe getauscht. Die Familie lernt, dass man Gemeinschaft nicht einfach konsumieren kann. Man muss die Gemeinschaft verstehen und sich dann auf sie einlassen. Die eigenen städtischen Gewohnheiten ab- und sich eine neue Erwartungshaltung zulegen.
Die nächste Apotheke ist kilometerweit entfernt, Einkäufe müssen generalstabsmäßig geplant werden, die versprochenen „Datenautobahnen“ sind eine Dauerbaustelle ohne Fortschritt und der Gatte muss erstmal gärtnern lernen, bevor er ihr wieder Blumen schenken kann.
Das ist die Realität des Neuanfangs auf dem Land. Meiner Romanfamilie war es vorher nicht klar, dass sie mit der neuen Umgebung einen neuen Lebensabschnitt forciert hat. Manchmal ist sie regelrecht erschrocken, wie groß der Umbruch in ihrem Leben wirklich ist.
Warum spielt mein Roman am Niederrhein?
Der Niederrhein ist weites Land mit weitem Blick, geradezu einladend für einen Neuanfang. Aber die ungeschriebenen Regeln dort können einengend sein. Das weiß ich, das habe ich kennengelernt. Weites Land, enge Regeln – ähnlich wie mein Schreiben auf schwankendem Boden ist auch das so ein Gegensatz, der eine Symbolik in sich trägt, die mir gut gefällt.

Der Niederrhein ist meine Geburtsheimat und ein Teil meines Herzens lebt dort. Aber ich selbst wollte dort nicht mehr leben. Aus vielen Gründen konnte der Niederrhein nicht meine lebenslange Heimat bleiben. Die Frage nach Heimat treibt mich um und auch wenn mein Zuhause woanders ist, möchte ich manchmal in meine alte Heimat zurück. Während des Schreibens konnte ich das ganz unkompliziert.
Generell verstehe ich die Sehnsucht meiner Protagonisten nach einem Neufang auf dem Land. Auch mir werden Hektik und Lärm im Ruhrpott manchmal zu viel. Gerade erst waren wir eine Woche zuhause, eine Woche mit vielen Terminen und Erledigungen. Als wir nach dieser Woche wieder in unserer zweiten Heimat Friesland anlandeten, habe ich die Ruhe und Gemächlichkeit unseres kleinen Dorfs dort förmlich inhaliert. Wenn ich mich wirklich nur zwischen den Extremen Stadt oder Land entscheiden könnte – ich würde das Land nehmen.
Für mich war klar, dass das Land in meinem Roman der Niederrhein sein musste. Aus dem schlichten Grund, dass ich mich in den Dörfern und Bauernschaften des Niederrheins auskenne. Ich hatte Familie und Freunde dort, ich sah, wie sie unter dem Korsett langjähriger Regeln und Gebräuche litten. Aber auch, wie dieses Korsett auf der anderen Seite Halt gab.
Der Niederrheiner an sich ist eher knorrig, Hanns Dieter Hüsch hat seltenst übertrieben. Die Mentalität ist mir vertraut. Ich hätte meine Geschichte nicht so leicht in ein andere Landidylle einbauen können. Das westfälische z.b. ist mir bekannt, aber sehr fremd. Das hätte ich niemals lebensnah gestalten können.
Nicht zuletzt bot mir das Setting am Niederrhein den Charme, meine geliebten Niederlande mit in den Roman einbauen zu können. Ein Sprung über den Pommesäquator lockert nicht nur Annikas Leben, sondern auch meinen Roman auf. Ich sag nur: Let op drempel.
Gemeinschaft ist immer ein Prozess – auch auf dem Land
Wir haben das Thema hier im Blog immer wieder – Gemeinschaft und Freundschaft. Eins haben wir gelernt und erfahren: Soziale Ankerpunkte sind wichtig für uns, unser Leben, unsere Familie. Wenn wir älter werden, bricht da manches weg. Vieles ändert sich, was aber immer gleich bleibt: die Sehnsucht nach echter Tiefe und Nähe. Die neu aufzubauen ist gar nicht so einfach. Auch weil wir vorsichtiger und mißtrauischer geworden sind. Blindlings verletzlich gemacht haben wir uns oft genug im Leben.
Wie wäre es, wenn wir in einer engen Gemeinschaft leben würden, die sich in früheren Jahren aufgebaut hat und mit uns mitgewachsen, mit uns alt geworden ist? Auch dieser Gedanke trieb mich um, als ich mit dem Schreiben begann. Ihr seht, so schnell manövriert man sich in die kitschige Ecke des Landlebens. Aber egal, ob Stadt oder Land: Gemeinschaft braucht Zeit, Geduld und durchaus auch Mut.
Das Dilemma, in dem meine Protagonistin Annika steckt:
- Der Wunsch dazuzugehören und echte Bezugspersonen im Leben zu haben.
- Der Wunsch, mit Gleichgesinnten den Alltag zu gestalten.
- Der Wunsch nach Ruhe, Natur und mehr Freiheit für die Kinder
gegen
- die ersten Dämpfer: Begegnungen verlaufen nicht unfreundlich, aber viel distanzierter als erhofft.
- Das Erkennen der Realität: Sie begreift, dass es Gemeinschaft kein Selbstläufer, sondern ein Prozess ist.
- Die Kinder finden schneller Anschluss. Was einerseits schön ist, für Annika aber bedeutet, dass sie auch lernen muss, die Kinder loszulassen. Und noch mehr alleine zu sein.
Gemeinschaft entsteht nicht dort, wo alle sofort perfekt harmonieren – sondern dort, wo man trotz Missverständnissen am Tisch sitzen bleibt.
Britta Langhoff über ihren Deichkosmos
Treibt diese Sehnsucht nach Gemeinschaft auch Euch um? Habt Ihr auch schon mal einen holprigen Start erlebt, als Ihr Euch in eine neue Gemeinschaft einfügen wolltet? Erzählt mir gerne davon in den Kommentaren.
Warum ein Leben mit Ecken und Kanten am Ende das ehrlichste ist
Die Ecken und Kanten im Dorfleben meines Romans sind kein Hindernis, sondern der eigentliche Schlüssel zum Glück. Erst wenn die Fassade der perfekten Landidylle bröckelt, entsteht Raum für echte, ehrliche Begegnungen. Annika lernt, dass Mut nicht nur bedeutet, wegzuziehen – sondern auch, trotz Reibungen auf die Menschen zuzugehen und den ersten Schritt zu machen. Ihnen zuzuhören und ihre Geschichten zu erfahren.
Auch das Landleben schreibt viele Geschichten
Taucht man einmal ein in den Kosmos des Landlebens, findet man sie: viele kleine Geschichten, die davon erzählen. Jede meiner Romanfiguren hat ihre eigene Geschichte, die alle ihren eigenen Platz im Roman bekommen haben. Traurige Geschichten, mutige Geschichten, optimistische Geschichten – eben Geschichten vom Deich. Daher der Untertitel meiner Buchreihe.
In diesem Artikel habt Ihr schon ein bißchen was von Annika, meiner Hauptfigur kennengelernt. Im einem der nächsten „Hinter den Kulissen – Einblick in die Schreibkajüte“ Beiträge stelle ich Euch eine weitere Figur aus meinem Buch vor und erzähle, wie meine Figuren ein Eigenleben entwickelten.
Der erste „hinter den Kulissen“ Beitrag erzählt davon, woher die Inspiration für mein Romanprojekt kommt: Die Frage nach der Coverversion des Lebens.

Offenlegung off topic: Falls Ihr Euch über die Bilder auf diesem Beitrag wundert: Wir sind gerade mit dem Boot unterwegs und mir fehlt der Zugriff auf mein Bilder-Archiv. Das Titelbild und auch das Drempel Bild sind aus meiner Cloud und ja – das ist viele Jahre her. Die anderen Bilder habe ich aus der Cloud meines Bildbearbeitungs-Programms. Dort habe ich Fotos, die ich aufgenommen habe, mit dem Oilpainting-Effekt bearbeitet. Die Original-Fotos sind nicht in dieser Cloud, nur die bearbeiteten. Ich könnte natürlich in Friesland jede Menge neue Fotos von Landidylle machen, wollte für diesen Beitrag aber unbedingt Bilder vom Niederrhein. Dies nur zur Info. Falls irgendein Schlaubi-Schlumpf hier zufällig reinklickt und denkt, ich hätte Gemälde fotografiert und hier rein gesetzt. Nein. Alles © von mir
- Geschafft: Roman veröffentlicht!Da ist er. Live und zum Lesen bereit. Mein Roman „Wer rote Rosen will, muss sie selber pflanzen“ ist veröffentlicht. Lest hier alles rund um den Buchlaunch
- 12 von 12 Juli 2026 – Countdown läuftBegleitet mich in 12 Fotos durch den 12 Juli 2026. Bei uns alles andere als ein ruhiger Sonntag. Zwischen Hochzeits-Countdown und Romanveröffentlichung.
- Leseprobe: Wer rote Rosen will, muss sie selber pflanzenLeseprobe aus „Wer rote Rosen will, muss sie selber pflanzen“ – Familienroman vom Niederrhein von Britta Langhoff aus der Reihe Geschichten vom Deich
- Buchvorstellung: Teil eins Geschichten vom DeichBuchvorstellung Teil eins von Britta Langhoffs Familienroman-Reihe vom Niederrhein. Ich lüfte den Schleier, verrate den Titel, das Cover und den Klappentext von Teil eins meiner Geschichten vom Deich
- Wenn Romanfiguren ein Eigenleben entwickelnWenn Romanfiguren plötzlich ein Eigenleben entwickeln – der magische Moment beim Schreiben
Soo…jetzt aber.. auf dem Tablet geht’s mit dem Schreiben .Du hast es schon gut beschrieben, das Landleben. Wir haben es mit dem Kindern gelebt, mit Vereinszugehörigkeit, Feuerwehr, Fußball, Kegelclub, Schützenfest, Strassenfesre mit den Nachbarn. Das war eine wunderschöne Zeit und man muss auch was dafür tun um es mit leben zu können. Aber wie die Kinder groß waren, wurde es mir zu eng auf dem Dorf. Und es hat s ja auch viel verändert auf den Dörfern. Allein schon die Lokale sind nicht mehr da. Es hat alles seine Zeit, jetzt sind andere dran etwas daraus zu machen.
Liebe Ulla,
das trifft es sehr genau. Es verändert sich gerade viel auf den Dörfern und deshalb sind Neulinge auch grundsätzlich oft willkommen.
Aber wie Du schon schreibst, sie müssen auch willens sein, sich in die Gemeinschaft einzufügen.
Ein Thema, über das wir beide uns ja schon öfter unterhalten haben.
Ich sehe die Ambivalenz regelmäßig bei einer Freundin und so denke ich, dass jede Art zu leben ihre Sonnen- und Schattenseiten hat. Und man dann für sich entscheiden muss, welche Sonne scheinen soll.
Deinen Spruch finde ich super, denn das ist eines der Probleme unserer Zeit: dass viele oft zu schnelle aufstehen (und manche viel zu lange sitzen bleiben)
Dein Romanfigur klingt wie du: Nach einem echten Menschen.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
das hast Du großartig formuliert. Dein Kommentar trifft es haargenau. Ich danke Dir dafür. Deine Sätze nehme ich mir mit ins Wochenende und denke da mal ein bißchen dran rum.
Liebe Grüße
Britta
Na toll, jetzt hab ich mega Bock auf mehr! Das war ganz böses anfüttern…! 😉
In Essen hat es ziemlich lange gedauert bis wir von der Hausgemeinschaft akzeptiert und gemocht wurden (außer bei Melli und Jörg)! Die andere fanden uns zuerst „komisch“! Weiß gar nicht warum…! 😉
Hier zurück aufm Dorf, in der selben Straße meiner Kindheit, war der Empfang natürlich sehr herzlich da die meisten Leute schon vor 30 Jahren hier gewohnt haben! Da ist sie halt wieder, die eingeschworene Gemeinschaft…! Und mit den „neuen“ direkten Nachbarn, Annette und Volker haben wir uns sehr schnell angefreundet und es ist eine tolle Freundschaft daraus entstanden…!
In Städten gibt es teils auch sehr eng eingeschworene Gemeinschaften, die Neulinge skeptisch beäugen. Das habt Ihr ja erlebt.
Eure Lebenssituation finde ich auch eine tolle. Ihr habt Dorfleben, enge Nachbarschaften, seid trotzdem schnell im Pott-Trubel – wenn Ihr das wollt.
Ich fütter noch ein bißchen weiter, damit vertreibe ich mir die Hitzewelle 😉
Moin du Liebe 😘
Ich habe schon mal Gedanken gehabt, über ein ländliches Leben. Es war allerdings in meiner Kindheit und ich habe damals festgestellt, für mich ist nur das Stadtleben das richtige. Lieber im Urlaub ins ländliche zu fahren. Das ist auch heute nich so. warum kann ich nicht wirklich sagen.🤷🏻♀️
Da wo wir seit wenigen Jahren wohnen, da haben wir eine gut Gemeinschaft. 🙏Wahrscheinlich kommt es daher, wir sind alle zur gleichen Zeit hier eingezogen.
Landleben ist und war für mich immer ein Abenteuer, welches ich auch schön und interessant fande. Nur nicht für immer. Beinhaltet ein Stadkind, immer und ewig.😁
Was du, bislang über dein Buch, berichtet hast hört sich interessant an. Mach weiter so, ich bin schon neugierig geworden.
Nun genießt noch eure Bootszeit.😘
Moin meine Liebe,
ja, Du bist wirklich ein Großstadtkind, das empfinde ich auch so. Aber Du lebst ja auch in einer der schönsten Städte Deutschlands. Und Ihr habt es schnell ins Grüne und nutzt das auch oft.
Bei Dir liegt es bestimmt daran, dass Du all Deine Lieben um Dich hast in dieser Stadt und auch, dass die Infrastruktur gerade auch mit Physio und Gesundheit überhaupt für Dich gut ist.
Aktuell sind wir bei der Familie meiner Frau in Seedorf. Hier funktioniert nichts, ohne Zusammenhalt, insbesondere weil das Dorf langsam aber sicher ausstirbt. Die meisten Immobilien werden auch nur noch als Ferienwohnungen genutzt. Dennoch ist mir das Leben hier lieber als in der Stadt. Das finde ich, insbesondere in meiner Stadt, einfach nur gruselig.
Schade eigentlich oder? Wo wir beide doch im Herzen Pottkinder sind, dass uns die Stadt an sich so nervt.
Das mit den Fe-Wos ist auch so ein Problem mittlerweile. Aber wohl nicht nur auf dem Dorf, sondern auch in den Städten. In NL zieht man da schon länger recht energisch die Reißleine. Das würde manchen Dörfern oder auch Inseln auch ganz gut tun.
Es gibt sicherlich kein perfektes Umfeld und somit kein perfektes Leben. Das wäre auch langweilig. Kompromisse muss man immer finden und sich einbringen. Wer auf dem Land dazu gehören will braucht Geduld und viel Einfühlungsvermögen.
Liebe Grüße
Sabine
Das stimmt wohl. Perfektion ist eh eine Illusion und noch dazu langweilig.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
wir haben vor 11 Jahren unser eigenes Haus am Deich (=Wochenendhaus direkt hinter Deich und Salzwiesen an der Nordseeküste) abgegeben.
Gekauft hatten wir es sieben Jahre zuvor und die Hälfte dieser sieben Jahre ausgiebig genutzt. Inklusive Kranzbinden mit den Nachbarn und generalstabsmäßig geplanten Einkaufstouren. Die nachbarschaftlichen Veranstaltungen waren wichtig und die Nachbarn auch sehr nett, aber ehrlicherweise suche ich mir die Menschen, mit denen ich meine Freizeit verbringe, lieber selbst aus.
Als die Kinder in die Pubertät kamen und damit Wochenend-Veranstaltungen und Bedürfnisse, die wir nicht ignorieren wollten (und dazu ein ewig golfender Gatte, was dazu führte, dass sämtliche Arbeitslast bei mir lag…!), haben wir das Haus wieder auf den Markt gegeben.
Es war interessant, in diese wirklich klitzekleine Dorfgemeinschaft mit weit verstreuten Häusern hineinzuschnuppern und die Ruhe hätte ohrenbetäubend sein können, hätte der senile und wenig beachtete Nachbarsköter nicht so viel gebellt. Irgendwas ist halt immer😃.
Am Stadtleben schätze ich vor allem die kurzen Wege zu allem und allen sowie die Halbanonymität und könnte mir maximal vorstellen, irgendwo im Speckgürtel zu wohnen. Was ich am Stadtleben gar nicht mag, kannst du dir wohl denken, aber, siehe oben, irgendwas ist immer.
Hier, wo ich gerade bin, in la maison z.B. papierdünne Wände, die gegen die Hitze der letzten Tage genau gar nicht isoliert haben. Wie anders ist es da bei uns im sanierten Altbau an der Weser…
…wo der Atlantik wiederum fern ist.
Von eben dort aber sende ich liebe Grüße
Liebe Marie,
Du beschreibst die Irgendwas ist immer Dinge ziemlich gut. Im Artikel Stadt oder Land hatte ich für mich selbst ja auch die Konsequenz gezogen, dass der Stadtrand mein Place to bei ist. Wenn er Stadtrand bleiben kann, was bei uns der Fall ist.
Mit den Kindern und der Pubertät, das verstehe ich gut. Das wird auf dem Dorf schon schwieriger. Meine Kinder hab ich komplett im Ruhrpott großgezogen – die sind somit für alle Unbilden aller Gegenden dieser Welt gewappnet 😉
Ich sende liebe Grüße dorthin, wo Du am liebsten sein möchtest und hoffe, dass es auch dort mittlerweile abgekühlt ist.
Hey,
es hat wohl alles seine Vor- und Nachteile. Wenn ich mich heute entscheiden könnte, würde ich weiterhin ein „Mittelding“ wählen. Ich wohne in einer sehr kleinen Stadt mit Dörfern um mich herum, aber auch die Stadt ist nicht weit entfernt.
Obwohl ich das pure Landleben sicherlich auch geniessen könnte :).
Liebe Grüße!
Hi liebe Jenny,
so habe ich es mir bei Dir schon gedacht. Ein Mittelding hat viele Vorteile und Nachteile kann man durch Nähe zu anderen Städten oder Orten ausgleichen. Aber wenn man sich nur zwischen zwei Optionen entscheiden könnte, würdest auch Du sicherlich das Land nehmen.
Liebe Grüße
Britta
Hey, absolut, dann wäre es bei mir das Land :).
Liebe Grüße!
Let op Drempel!
😂🤣… selbst „pass uff“ klingt knuffig auf Niederländisch!
Danke für den Schmunzler! Ich freu mich auf Dein Buch – gerade weil ich den Niederrhein so mag.
Ab wann ist denn Land und ab wann Stadt?
Unser Städtchen hat 18000 Einwohner, fühlt sich aber eher an wie ein großes Dorf.
Ich lebe seit über 30 Jahren in unserer Straße, mein Mann sein ganzes Leben lang. Manche Nachbarn kamen, manche gingen, manche sind schon viel länger hier als wir.
Mit den meisten hat man kaum bis wenig Kontakt. Außer einen Gruß auf der Straße.
Aber Du glaubst gar nicht wie schnell hier die Hilfskette funktionierte als ein alter Herr ( wohnhaft zwei Straßen weiter ) auf dem Bürgersteig bei unserem Haus zusammenbrach.
Erste Hilfe, seine Frau informiert, seinen Sohn auf der Arbeit angerufen, RTW gerufen – da griff eine Hand in die andere.
Blöde Situation, aber am Ende ein gutes Gefühl ( und ein guter Ausgang ).
Das war so ein Moment in dem ich dachte „Jupp, Gemeinschaft funktioniert. Schön, ein Teil davon zu sein!“
Nur eine von mehreren Geschichten.
Dein Spruch ist so treffend für so viele Tischrunden in unserem Leben – egal ob Dorf, Freunde oder Familie. Wobei Familie ja noch mal ein ganz anderes Level ist ( wissen wir beide ). Bei Freunden kann man sich aussuchen wer mit am Tisch sitzt.
Und da isses wieder, das Thema Gemeinschaft und Freundschaft.
Ich glaube, ich bin nicht vorsichtiger oder misstrauischer geworden. Bei mir kriegt jeder Stuhl, Käsekuchen, Kaffee und ein Ohr.
Aber ich habe keine Lust mehr auf faule Kompromisse und halte keinen Stuhl mehr ständig frei für jemanden, der dann doch nicht kommt oder selbst nie Käsekuchen mitbringt.
Ich wünsch Euch eine erholsame Zeit und freu mich auf neue Fotos und Geschichten.
Pass auf Dich auf!
Liebe Katja,
ja so eine enge Gemeinschaft, wo Hilfe nie fern ist und auch unkompliziert geleistet werden kann, hat sehr viel für sich. Das schätze ich auch sehr.
Ich bin durchaus vorsichtiger geworden mit den Jahren, das muss ich schon zugeben. Grundsätzlich ist mir auch jeder willkommen, aber ich bin vorsichtig mit dem, was ich anvertraue und doch am liebsten in einer Runde, wo ich mich sicher fühle.
Für faule Kompromisse haben wir alle keine Zeit mehr oder ?
Pass auch Du gut auf Dich auf.
Liebe Grüße
Britta