Mehr Pausen wagen

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In diesem Artikel geht es um : Mehr Pausen wagen in der zweiten Lebenshälfte, eigene Belastbarkeitsgrenzen erkennen

„Man ist ja nicht mehr die Jüngste“ – ertappt Ihr Euch auch öfter dabei, diesen Satz zu stoßseufzen? Ich auf jeden Fall. Meistens mit einem kleinen Augenzwinkern. Aber die Wahrheit ist auch: Wir müssen die Kahnsche Regel erweitern! Wir brauchen nicht nur mehr Eier. Sondern auch Pausen. Wir brauchen mehr Pausen.

Darum geht es hier:

Wer auch in der zweiten Lebenshälfte entspannt durchs Leben segeln will, braucht Mut zum eigenen Tempo. In diesem Beitrag geht es darum, warum regelmäßige Entschleunigung keine Schwäche ist, wie einfach mal Nichtstun neue Energie schenkt und weshalb unser Geist Pausen braucht, um wieder kreativ zu werden.

Entspannt älter werden – warum gehören Pausen zwingend dazu?

Ja, ich stehe dafür ein, dass älter werden sehr entspannend sein kann. Aber zum entspannt älter werden gehört auch der Mut, sich einzugestehen: Wir werden älter und müssen es einsehen: wir sind wirklich nicht mehr die Jüngsten und damit auch nicht mehr so belastbar. Vor einiger Zeit schrieb ich den vielgelesenen und viel diskutierten Artikel „mutig älter werden!“ Schon da wies ich darauf hin: Es ist kein Gegensatz, wenn wir dabei auf das hören, was unser Kopf und unser Körper uns sagen will.

Nicole von Life with a glow schrieb neulich in ihrem wöchentlichen Seelenglück so schön von einfach mal durchatmen und einfach sein zu können. Da waren wir noch mitten im Gebrassel und ich sehnte mich sehr nach genau dem, was Nicole beschrieb. In meinem Kommentar bei ihr bediente ich mich mal wieder der niederländischen Lebensart, die das schöne Verb „niksen“ – gleichbedeutend mit Nichtstun dafür parat hat.

Seit einer Woche sind wir zurück an Bord und tun meistens genau das: Niksen. Oder wie der Captain es gestern morgen – als wir es erst um 9 Uhr morgens aus der gemütlichen schaukelnden Koje schafften – so schön formulierte: So langsam aber sicher hab ich mich wieder „eingeschlafen“

Was der Körper braucht, das holt er sich. Irgendwann. Besser nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Aktives Nichtstun, Pausen und Entschleunigung sind gelebte Selbstfürsorge.

Aktives Nichtstun und entschleunigen - ein Akt der Selbstfürsorge. Gerade im Alter
„Nehmt Euch einfach ein Beispiel an mir. Ich lieg auf meiner Beasty Matte rum und mich können alle mal gerne haben“ – haben wir. Sowas von.

Wie fühlt sich eine Phase mit hoher Belastung an?

Durch das Jahr 2026 sind wir bis hierhin in ziemlich hohem Tempo gesegelt. Spannende Wochen im Winter – von der Nordsee auf Eis über noch Geheimtipps in den Ardennen bis zu Nashville in Mainhattan. Danach der länger währende Ärger mit meiner galligen Blase verbunden mit Ortserkundungen, auf die ich prima hätte verzichten können. Im Frühjahr Saisonstart der etwas anderen Art, danach die „Festwoche“ zum 60sten des Captains, zwei Frühjahrstörns plus Hausbootwoche.

Und als krönender Höhepunkt des Jahres die Hochzeit unseres Ältesten im Juli. Dazu trieben wir mein Romanprojekt voran und veröffentlichten schließlich im Juli im Self-Publishing Teil eins meiner Geschichten vom Deich. Nicht zu vergessen die „Irgendwas ist immer“ Dinge aus dem Vorjahr, die uns nach wie vor beschäftigen und in Teilen immer nicht gelöst werden können. Hohe Betriebstemperatur. Außen und innen.

Ich schrieb es schon im Monatsrückblick Juli: Wir waren ziemlich durch und das erste Ziel für August ist: runterkommen. Emotional, aber auch körperlich. Seitdem wir zurück an Bord sind, merken wir es gut: Wir müssen uns erst wieder rein finden in unser eigenes Tempo. Das war die ersten Tage an Bord gar nicht so einfach. Zumal hier in Friesland auch gerade ein Saison Höhepunkt nach dem anderen stattfindet. Traditionelle Regatten der altehrwürdigen Plattbodenschiffe, Sneekweek im Nachbarort und und. Im Kanal hinter unserem Hafen ist es so „druk op de Water“ – voll auf dem Wasser, dass man die Brücke eigentlich nicht bräuchte. Man könnte auch so gut übers Wasser laufen.

Wie hilft das Entschleunigen dem Geist und der Kreativität?

Nach einer Woche haben wir uns so ziemlich wieder eingegroovt in unser Leben auf dem Wasser und dem selbstbestimmten Tempo. Wir schlafen viel -das Boot schaukelt uns zuverlässig durch unsere Träume. Die am Tag geträumten wie auch die reellen in der Nacht, an denen ich merke, wie viel ich zu verarbeiten habe. Die Temperaturen sind hier angenehmer als im Pott, es regnet zwischendurch, hier blüht und grünt vieles, eine Wohltat für das Auge.

Entschleunigung beim Radfahren - Gedanken schweifen lassen
anderswo ist das Gras grüner.

Die Gedanken werden klarer, ich kann wieder aus meinem Tunnel der letzten Wochen herausschauen. Die Gedanken werden nicht nur klarer, sondern sie erlauben es sich auch, mehr zu schweifen.

Letzte Tage waren wir am Ijsselmeerstrand und beim Blick auf den weiten Horizont wurde mir aus dem Lameng heraus klar, wo genau es bei meinem in Angriff genommenen Teil zwei der Geschichten vom Deich hakt. Ich wusste, dass es mir nicht gefiel, aber ich konnte es nicht greifen. Jetzt kann ich es. Das ist doch mal was. Ich freu mich. Zurück zwischen Worten und Wellen und weg vom unguten Kopfkino.

Sich Sorgen zu machen, ist so eine Verschwendung von Kreativität!

Fazit: Warum ist regelmäßiges Pausieren und entschleunigen unverzichtbar, wenn wir älter werden?

Was ich damit sagen will – man kann eine Zeitlang auf Hochtouren laufen, aber irgendwann funktioniert das nicht mehr richtig. Das geht jedem so. In jedem Alter. Ich merke deutlich: Je älter ich werde, desto mehr strengt es mich an, wenn sich Termine knubbeln und viel zu tun ist. Man ist eben nicht mehr die Jüngste. Sich das einzugestehen, gehört auch zum mutig älter werden dazu. Und deswegen werden wir noch eine Zeitlang hier rum niksen und das tun, was uns gefällt. Wann es uns gefällt. Und wenn es mir gefällt, einen Blogartikel über Pausen zu schreiben, dann tue ich eben das. Aber jetzt gehe ich erstmal eine Runde Fahrrad fahren. Ganz gemütlich. Und danach gibt es einen gepflegten Montagsschluck.

Durchatmen und aufs Wasser blicken - einer der besten Wege für Entschleunigung und Pausen in der zweiten Lebenshälfte

Wie geht es Euch damit? Erlaubt Ihr Euch regelmäßig echte Pausen oder fallt Ihr auch manchmal in die Falle, auf Hochtouren weiterzulaufen? Welches Ritual hilft Euch am besten beim Runterkommen?

Auf einen Blick: 5 Erkenntnisse zum Thema Entschleunigung und Pausen in der zweiten Lebenshälfte

  • Grenzen anerkennen: Mit steigendem Alter verändert sich die körperliche und mentale Belastbarkeit. Termindichte und Dauerstress strengen den Körper stärker an als in jüngeren Jahren. Dies zu akzeptieren und regelmäßige Pausen einbauen schützt vor Erschöpfung und ermöglicht es uns, unsere Träume und Ziele auch in der zweiten Lebenshälfte zu leben.
  • Aktives Nichtstun: Egal, ob Ihr eher dem holländischen Niksen Holländisches Niksen oder dem italienischen Dolce far niente zugeneigt seid: Einfach mal nichts tun und den Gedanken freien Lauf lassen gibt dem Unterbewusstsein den Raum, Erlebnisse und Emotionen zu verarbeiten.
  • Kreativität durch Ruhe: Wenn der Kopf zur Ruhe kommt und nicht ständig unter hoher Betriebstemperatur läuft, können wir Vergangenes verarbeiten. In Phasen der Entspannung lösen sich Blockaden (z.b. beim schreiben) oft ganz von alleine, was neue kreative Gedanken freisetzt.
  • Eigenes Tempo wählen: Sich vom Trubel im Außen nicht anstecken lassen, sondern den Alltag nach den eigenen Kräften gestalten.
  • Eigene Prioritäten setzen: Wir müssen nicht die Last der ganzen Welt auf unseren Schultern tragen. Erkennen, was in unserer Hand liegt, ist der erste Schritt dahin.

Von Britta Langhoff

Britta Langhoff ist Expertin für Frauenthemen ab 50, Bloggerin und Autorin von Romanen über Heimat und Neuanfang. Sie schreibt zwischen Worten und Wellen von Bord in ihrer Schreibkajüte, Inspiration für Frauen ab 50 mutig älter werden und Freiheit genießen.

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