Es vergeht kaum eine Woche, in der mich nicht eine Anfrage erreicht: „Britta, bietest du eigentlich auch persönliche Coachings, Lebensberatung oder Finanzberatung an?“ Meine Antwort darauf ist klar und unverrückbar: Nein, Nein und Nein. WARUM ich kein Coaching anbiete, erkläre ich in diesem Artikel.
Darum geht es hier:
In gefühlt jedem zweiten Blog ploppen Banner auf, die den Leser zu einem Coaching führen sollen. Britta Langhoff sagt für sich und ihren Blog dazu bewusst Nein. Weil sie weiß, dass Ratschläge mit Verantwortung einhergehen. In diesem Artikel erklärt die Bloggerin, warum sie kein Coaching anbietet.
Lebenserfahrung alleine reicht mir nicht für Coachings
In unserer digitalisierten Welt ist es gang und gäbe, dass Blogger und Social Media Influencer kostenpflichtiges Coaching zu ihrem Themenschwerpunkt anbieten. Mein kategorisches Nein mag da überraschend wirken. Ich teile auf meinem Blog regelmäßig meine Gedanken und Meinungen zum mutig älter werden, zum Schreiben und zur Traumerfüllung. Ich erzähle dabei von mir, von meiner Traumerfüllung und ja – ich habe einiges in meinem Leben an Wissen angesammelt und jede Menge Erfahrungen.
Doch genau wegen dieser Lebenserfahrung ziehe ich eine ganz klare Grenze zwischen dem, was ich im Blog teile und professioneller Beratung. Es bedeutet mir immer viel, wenn mir Inspiration und Ermutigung gespiegelt wird. Aber ich bin raus, wenn mich jemand darum bittet, ihn zu coachen und ihn bei seinen Lebensentscheidungen beratend zu begleiten. Es ist toll, wenn mir jemand sagt, meine Art zu leben und ich sei ein Rollenvorbild.

Aber diese Vorbildfunktion kann nur der Anstoß sein – wenn jemand neue Wege gehen will, muss er diese Wege genau wie ich Schritt für Schritt erkunden. Und wenn er einen Guide auf dem Weg braucht, dann sollte es einer sein, der die Ausbildung dafür hat.
Der Unterschied zwischen ehrlichem Bloggen und reiner Verkaufsplattform
Pardon my french – aber ganz ehrlich: Blogs, deren einziger Daseinszweck die Umrahmung für Coaching Angebote sind, gehen mir tierisch auf die Nerven. Man merkt es sofort, ob Menschen gerne bloggen. Oder ob sie nur bloggen, weil ihnen in einem schweineteuren Marketing-Seminar gesagt wurde, dass ein Blog eine gute Verkaufsplattform ist.
Um klar zu sein: Ich bin nicht dagegen, einen Blog auch zu monetarisieren. Wir Blogger geben eine Menge Zeit, Nerven und Herzblut in unsere Blogs. Plus ein bißchen Geld, wenn man selbst hostet. Auch ich bin offen für Ko-Operationen, wenn sie zu mir und zu meinen Leserinnen und Lesern passen. Solange sie fair, wertschätzend und auf Augenhöhe ablaufen (Pitch-Mails mit der Erwartung kostenloser Reichweite ohne Gegenleistung wandern bei mir sofort in den Spam-Ordner, aber das ist eine andere Geschichte. Kommt demnächst)
Und natürlich nutze ich meinen Blog auch, um Werbung in eigener Sache für mein Buch zu machen. Wobei dabei tatsächlich der Spaß überwiegt, Euch mit hinter die Kulissen zu nehmen und von Euch Anregungen und Zuspruch zu erfahren.
Ich bin auch nicht per se dagegen, dass Coaches bloggen. Mir fallen spontan einige ein, die Coaching und Bloggen bestens verknüpfen und deren Blogartikel ich regelmäßig und gerne lese. Ihnen sind jedoch ein paar Dinge gemeinsam:
- Fundierte Expertise: Sie haben eine solide Ausbildung, fundiertes Fachwissen. Sie wissen ganz genau, was sie tun.
- Leidenschaft fürs bloggen: Man merkt ihnen an, dass sie gerne schreiben und sich gerne in der Blogosphäre austauschen.
- Ehrlicher Mehrwert: Ihre Blogs drehen sich nicht ausschließlich um ihr Verkaufsangebot – man findet ihr fundiertes Angebot auf der Webseite, aber es wird einem nicht bei jedem Blogpost unter die Nase gerieben.
Nebenbei bemerkt: Ich glaube auch, dass der Wildwuchs an selbsternannten Beratern nicht nur Ratsuchenden, sondern auch den Coaches mit fundierter Ausbildung und professioneller Arbeit schadet.
Es ist so schade, wenn Blogs zu einer reinen Werbefläche ohne Seele verkommen. Ehrlicher Austausch geht jedenfalls anders
Darf sich jeder Coach nennen?
Früher hieß es „Wer nichts wird, wird Wirt (und ist ihm dieses auch nicht gelungen, macht er in Versicherungen) – anno 2026 könnte man überlegen, was sich auf Coach oder Influencer reimt. Die Bezeichnung „Coach“ ist rechtlich nicht geschützt. Es gibt weder einen geregelten Ausbildungsweg noch ein einheitliches Berufsbild. Theoretisch kann sich jeder von jetzt auf gleich als Coach bezeichen – ganz egal, ob eine fundierte Ausbildung dahintersteckt oder nur besagtes Wochenend-Seminar. In dem Samstags erklärt wird, wie toll Bloggen für Coaches ist und am Sonntag das Zertifikat zum „Coach für whatever“ gleich mit ausgedruckt wird. Um die Absurdität auf die Spitze zu treiben: Nicht selten werden genau solche Seminare wiederum von selbsternannten Coaches veranstaltet, die ihr profundes Halbwissen zu Geld machen.
Zwar gibt es Berufsverbände wie die International Coaching Federation, die sich weltweit für eine Professionalisierung von Coaching-Angeboten einsetzt und nach deren Gütesiegeln in Deutschland auch z.b. die IHKs Kurse anbieten. Doch der Markt an sich ist unreguliert und für Laien ist die Lage undurchsichtig. Damit ich einem Coach vertraue, würde ich auch nicht zwingend ein Zertifikat sehen wollen, aber für mich ist eine nachvollziehbare fundierte Ausbildung und Berufserfahrung ein Maßstab für Seriosität.
Warum reicht Lebenserfahrung für Lebensberatung nicht aus?
Es gibt eine große Nachfrage für Lebensberatung, Begleitung in Lebensumbrüchen und bei wichtigen Entscheidungen. Das reguläre Angebot in Form von psychotherapeutischer Begleitung ist knapp. Da Nachfrage nun mal Angebot regelt, gibt es jede Menge Angebote an Lebensberatungen auf dem freien Markt.
Ich schreibe hier im Blog über meine eigenen Entscheidungen, meinen Lebensweg und meine Sichtweise. Aber: All das basiert einzig und alleine auf meiner persönlichen Erfahrung und meiner individuellen Meinung. Bei allen Formulierungen achte ich darauf, dass das klar ist. Denn meine Meinung ist auch:
Ein Leben gelebt zu haben, gibt mir Erfahrung, Wissen und Perspektive. Aber es bringt mich nicht automatisch in den Besitz des Steins der Weisen.
Wenn aus dem Teilen von Wissen ein Geschäftsmodell wird, verändert sich die Verantwortung. Wenn ich über meine Lebensentscheidung schreibe, bin ich mir durchaus bewusst, dass mein Weg für manche eine Inspiration sein kann. Das freut mich auch. Dennoch sage ich klar „Nein“ , wenn mich Anfragen erreiche, ob ich Coaching anbiete und Menschen bei ihren Lebensentscheidungen begleite. Nur weil ich gut darin bin, etwas in Worte zu fassen, heißt das nicht, dass ich auch die Antwort dafür habe.

Ich zeige Alternativen auf – nicht zwingend, weil ich meine Alternative für alleinig seligmachend halte. Mehr, um generell zu zeigen, dass andere Wege möglich und denkbar sind. Das ist etwas anderes, als Verantwortung für die Lebensgestaltung anderer zu übernehmen.
Ich bestärke jeden darin, seinen eigenen Weg zu finden und auch darin, sich dabei Hilfe zu suchen. Aber ich kann Menschen nicht professionell in Lebensfragen beraten. Das ist ein ganz anderes Terrain. Bin ich ausgebildet, um eventuelle Trigger bei meinem Gegenüber zu erkennen? Nein. Könnte ich kalkulieren, was passiert, wenn meine Beratung alte Wunden aufreißt? Nein. Das Risiko, durch unbedachte Ratschläge Schaden anzurichten, ist groß. Ratschläge können auch Schläge sein – noch so ein altes Sprichwort, welches seine Berechtigung hat.
Wenn man andere Menschen begleitet, egal ob im Coaching, in der Beratung, im Yoga, in der Meditation, whatever, MUSS man sich mit Trauma auskennen! Wenn Angebote aus diesen Bereichen NICHT traumasensibel gestaltet sind, entfalten sie nicht ihr volles Potential und wirken ggf sogar kontraproduktiv.
Iris van Bebber, ausgebildete Yogalehrerin in ihrem etablierten Blog (Danke, dass ich Dich hier zitieren darf)
Warum meine Weigerung, Coachings anzubieten, auch etwas mit Selbstschutz zu tun hat
Ich bin jemand, dem Menschen gerne ihre Geheimnisse anvertrauen. Jemand, zu dem Menschen mit ihren Sorgen kommen. Jemand, der oft um Rat gefragt wird. Nicht nur von Menschen, die mir nahestehen. Auch Menschen, die mir beruflich oder zufällig begegnen, öffnen sich mir schnell und ungefragt. Ich habe mich lange darüber gewundert, glaube aber mittlerweile zu wissen, warum das so ist: Ich bin nämlich auch jemand, der nicht schnell urteilt oder wertet. Den meisten Menschen reicht es auch, wenn ihnen jemand zuhört. Nicht alle wollen wirklich einen Rat oder gecoacht werden.
Dazu kommt: Ein Mensch kann nur begrenzt viele Geheimnisse, Sorgen, Kümmernisse tragen. Und das betrifft nicht nur seine eigenen, sondern eben auch die der anderen. Ich habe schon an so manchem Geheimnis schwer getragen, manche Sorgen und manchen Kummer schwer und auch mit nach Hause genommen. Manches Mal wurde mir das zu viel.
Warum biete ich keine Finanzberatung an?
Im Bereich Finanzen liegt die Sache bei mir etwas anders. Da habe ich eine profunde Ausbildung. Aber gerade weil ich diese Ausbildung habe, weiß ich genau:
Finanzmärkte, gesetzliche Rahmenbedingungen und steuerliche Vorgaben entwickeln und verändern sich rasant. Um in diesem Bereich wirklich verlässlich beraten zu können, muss man alle Entwicklungen lückenlos im Blick behalten und analysieren können. Das kann ein einzelner Mensch nicht leisten. Das kann nur eine solide aufgestellte Institution, die auch eine klare geprüfte Mandatierung dafür hat. Von den unwägbaren rechtlichen Risiken – Stichwort Beraterhaftung – fange ich lieber gar nicht erst an.
Ich schaue manchmal in einer Mischung aus morbider Faszination und ehrlichem Interesse in Finanzblogs. Der überwiegende Teil ist – sagen wir es vorsichtig – fragwürdig. Was ich dort lese – da rollen sich mir die Fußnägel hoch. Es muss eine verborgene Freude an gruseligem Lesestoff sein, warum ich da manchmal reinschaue. Ich habe übrigens neulich gelesen, dass die Ba-Fin sich zunehmend solche Online-Angebote vornimmt. Richtig so.
Einen Top-Finanztipp gebe ich an dieser Stelle gratis: Man wirft gutes Geld nicht schlechtem hinterher. Nie!
Wissensweitergabe auch ohne Coaching-Angebot
Bin ich der Meinung, dass wir unser Wissen nicht mehr weitergeben sollten? Ganz und gar nicht. Mir geht es im Blog, im täglichen Gespräch und auch in meinen Geschichten vom Deich genau darum: Erlebnisse teilen, Inspiration bieten, Denkanstöße geben und bekommen. Dabei orientiere ich mich an folgenden Punkten:
- Inspiration statt Instruktion: Ich zeige auf, wie ich Dinge angehe. Aber ich behaupte nicht, dass dies der einzige richtige Weg für jeden ist.
- Ehrlicher Austausch: Ein gegenseitig wertschätzendes Gespräch zeigt neue Perspektiven und bietet Denkanstöße. Auch denen, die den Austausch angestoßen haben.
- Klare Abgrenzung: Wenn es um Gesundheit, tiefe Lebenskrisen oder Geldanlagen geht, verweise ich stets an echte Fachleute und ausgebildete Experten.
Wissen und Meinung weitergeben: Jederzeit! Wissen und Meinung monetarisieren: Nicht ohne soliden Hintergrund und Ausbildung.
Warum mein Blog mein virtueller Salon bleibt
Kundenberaterin war ich lange genug. Heute mache ich genau das, was mir wahrhaftig am Herzen liegt. Natürlich freue ich mich, wenn sich das mit passenden Kooperationen oder mit meinem Buch verknüpfen lässt – aber der Antrieb bleibt immer meine Leidenschaft für’s Schreiben. Ich will damit nicht reich werden, ich will mich auch nicht an meiner Community bereichern. Wenn ich wie bei meinem Buch kein Geld mitbringen muss, bin ich damit voll und ganz zufrieden.
Ich bin Bloggerin und Autorin aus Leidenschaft. Und werde das auch bleiben. Nur das.
Mein Blog bleibt mein virtueller Salon. Ein Ort für Geschichten, für’s Mutmachen in der zweiten Lebenshälfte und für ehrliche Einblicke in mein Leben. Eine Coaching-Plattform wird er nie werden. Meine Freiheit, hier absolut unabhängig und ehrlich zu schreiben, ist mehr wert als alles andere.
Ich bin gespannt, wie Ihr das Thema seht ( ob als Kunde oder als Anbieter ) : Was ist Euch bei Beratungsangeboten wichtig? Worauf achtet Ihr?
- Warum ich kein Coaching anbieteCoachings und Lebensberatung boomen, doch auf meinem Blog wirst du keine Kauf-Buttons dafür finden. Warum ich mich bewusst gegen Beratungsangebote entscheide, wie ich zu Finanz- und Schreib-Coaching stehe und was verantwortungsvolle Wissensweitergabe für mich bedeutet.
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- Header Bild und Bild aus dem Header erstellt mit der App Canva und der KI Gemini , das Bild zeigt mich, die KI hat nur die Umgebung und Lichtverhältnisse erstellt ↩︎