Ruhe vor dem Sturm

Veröffentlicht am 34 Kommentare zu Ruhe vor dem Sturm
In diesem Artikel frage ich, ob wir in trügerischer Ruhe leben. Brauchen wir eine Ruhe vor dem Sturm Warnung für unser Leben?

Während unserer letzten Bootstage des Jahres gab es neben einer erwarteten Sturmwarnung auch eine eher ungewöhnliche Wetterwarnung: eine Ruhe vor dem Sturm Warnung. In eindringlichem Ton verfasst.

Seitdem überlege ich, ob und wie so eine Warnung auch für das ganz normale Leben sinnvoll wäre.

Was ist eine Ruhe vor dem Sturm Warnung?

Mitte Oktober fuhren wir zum Ende der Bootssaison noch einmal nach Friesland/NL und verbrachten die letzte Bordwoche des Jahres bei meist starkwindigem Wetter. Wie so oft in diesem Jahr. Manche Windböen erreichten bereits Sturmstärken, ganz in unserer Nähe wurde sogar ein Tornado beobachtet. Der aber harmloser war als sein Name und sich ablandig schnell über dem Wasser auflöste. Schäden keine. Dies nur am Rande.

Mit dem Winterlager-Meister hatten wir verabredet, unser Boot am Mittwoch, 22. Oktober zu bringen. Die 5-Tages-Vorhersage meldete für diesen Tag gutes Wetter, für die Tage danach aber ständig steigende Windstärken. 2025 war ein Jahr für alle, die noch nicht sturmerprobt sind und es werden wollten. Sie bekamen reichlich Gelegenheit zum üben. Mir stand der ständige Starkwind bis sonst wohin, ich checkte die Tage vorher fast stündlich die Wettervorhersagen.

Von Calm before the storm bis Code Orange

Am Dienstag, 21. Oktober kam die erwartete Sturm- bis Orkanwarnung für das Wochenende rein. Für die Küstengebiete wurde bereits Code Orange ab Donnerstag ausgerufen, erwartet wurden hohe Niederschlagsmengen, Windgeschwindigkeiten von über 120 km/h – es könnte der bisher schwerste Sturm des Jahres werden. In einem an Stürmen nicht armen Jahr!

Zugleich bekamen wir eine Wetterwarnung, die ich so noch nicht kannte: Für Mittwoch, den 22. Oktober wurde Calm before the storm1 ausgerufen! Ruhe vor dem Sturm. Ruhiges sonniges Wetter war angesagt, es würde ein schöner Spätsommertag werden. Eindringlich wurde vor trügerischer Ruhe gewarnt.

Ruhe vor dem Sturm - Bild aufgenommen in Harlingen / NL
aus meinem Archiv: eine typische Ruhe vor dem Sturm Wetterlage an der Nordsee. Aufgenommen in Harlingen aan Zee auf der erhöhten Wattenmeer-Promenade.

Schon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag könne es losgehen. Man solle den Mittwoch unbedingt dafür nutzen, alles sturmfest zu machen. Boote, Camper, Gärten, Terrassen, keine Autos unter Bäumen stehen lassen, Fahrräder und Mülltonnen reinholen usw.

„Erliegen Sie keinen Illusionen. Nutzen Sie den Tag unbedingt, um Vorsorge zu treffen.“ So schrieb es der lokale Nachrichten- und Wetterdienst.

Der Ruhe vor dem Sturm Tag

Oha. Genau das war unser Plan für den Mittwoch. Geschenk zum Ende der Saison: gutes Timing. Der Ruhe vor dem Sturm Tag begann tatsächlich ausgesprochen ruhig. So windstill war es lange nicht. Es war warm, die Sonne schien. Im Hafen wurde es geschäftig. Die Hafenmeister werkelten, etliche Bootseigner kamen, um Vorkehrungen zu treffen, die Camper reisten ab. Ein Charterschiff fuhr gemütlich durch den Kanal, die darauf urlaubenden Deutschen waren offensichtlich begeistert vom schönen Wetter. Ich hörte sie im Vorbeifahren sagen: “ ist doch schönes Wetter geworden. Dann können wir doch die große Route fahren diese Woche“ Glückauf. Pro-Tipp: Deutsche Wetter-Apps in Friesland sind ähem Glückssache.

Gegen Mittag – kurz vor Abfahrt – bildete sich wie aus dem Nichts eine riesengroße Wolke, die sich heftig über unserem Hafen entlud. Ja, danke dafür. Abschiedstränen vermutlich. Wir sind auch traurig. Danach legten wir ohne weitere Zwischenfälle ab. Es ging gemütlich tuckernd ins Winterlager. Eine schöne ruhige letzte Fahrt des Jahres. Auf dem Heeger Meer war allerdings gut Betrieb, ich hoffe, alle sind am Ende des Tages in einem ruhigen Hafen gelandet. Bei uns lief alles glatt, auch die Fahrt nach Hause.

Nach der Ruhe vor dem Sturm

Der Orkan fand alsdann ohne uns statt, wir wetterten gemütlich zuhause ab, verfolgten aber gebannt die Entwicklungen in der zweiten Heimat. Es wurde so stürmisch wie erwartet, aber es passierten keine Katastrophen. Die Ruhe vor dem Sturm Warnung hatte funktioniert, Privatleute und offizielle Stellen hatten alles gut vorbereitet. Alle Pumpwerke liefen, Staumauern waren geschlossen, es gab nur kurzzeitig temporäres Hochwasser bei Flut an den Wattenmeerstränden. Bootsunglücke wurden diesmal nicht gemeldet, alle gesichteten und belauschten Bootsfahrer haben wohl einen guten Hafen gefunden.

Es war auch nicht der schlimmste Sturm, den wir mitbekommen haben in all den Jahren. Wir kennen es noch schlimmer. Unvergessen die Tage, in denen in Joure festsaßen, weil selbst die offenstehenden Schleusen schlossen und später die komplette Schifffahrt eingestellt wurde. So schlimm war es diesmal nicht. Aber es war das erste Mal, dass eine Ruhe vor dem Sturm Warnung rein kam.

Leben im Ruhe vor dem Sturm Modus – eine gute Idee?

Der eindringliche Ton dieser Warnung hat mich beeindruckt, das gebe ich zu. Umso mehr, als der Ruhe vor dem Sturm Tag der letzte Tag unserer Bootssaison war und ich unweigerlich – vor allem in diesem Irgendwas ist immer Jahr – die Angst spürte, das könne ein schlechtes Omen sein.

Seitdem frage ich mich: Lässt sich diese Ruhe vor dem Sturm Warnung auf das normale Leben übertragen? Ist es sinnvoll, an guten Tagen für schlechte Tage vorzusorgen? Sollte man sich immer bewusst sein, dass man in einer trügerischen Ruhe lebt und der Sturm jederzeit losbrechen kann?

Meine Antwort ist ein entschiedenes Jein. Ja, es ist sinnvoll, an guten Tagen für schlechte vorzusorgen. „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ „Vorsorge ist besser als Nachsorge“ – alte Sprichwörter, an dem Wahres ist. „Besser haben als brauchen“ ein anderes, von dem ich als als gnadenlose Entrümpelerin nicht ganz so begeistert bin. Was an seiner Berechtigung nicht viel ändert.

Ja, man sollte sich bewusst sein, dass das Leben in jeder Minute von links nach rechts gedreht werden kann. Aber nein, deswegen muss die Ruhe, die man sich erarbeitet hat, keine trügerische sein. Ich glaube, wenn man diese Ruhe vor dem Sturm Warnung eins zu eins auf das normale Leben überträgt, wäre das nicht auszuhalten.

Mein goldener Mittelweg: Ich bin dankbar für das, was ich habe. Vor allem für meine Familie, mein Zuhause, auch das schwimmende. Für die Zeit, die mir gehört und die ich nach meinen Vorstellungen nutzen kann. Ich nehme es aber auch sehr bewusst nicht für selbstverständlich. Ich weiß auch, dass nicht alles in meiner Hand liegt, ich kann nicht alles kontrollieren.

Aber ich kann nicht leben, wenn ich denke, jeden Moment kann alles zu Ende sein. Immer auf der Hut, immer im leichten Panik-Modus. Ich kann vorsorgen für schlechte Zeiten. Ich kann mich vorbereiten, auch mental für eventuelle Notfälle. Es gibt noch genug, was ich kontrollieren oder zumindest beeinflussen kann.

Wertschätzung auf der Suche nach dem Glück

Die beste Vorbereitung auf stürmische Zeiten ist meines Erachtens Wertschätzung dessen, was man hat. In diesem Zusammenhang fällt mir ein schöner Blogartikel ein, den ich vor einigen Wochen bei Nicole gelesen habe: auf der Suche nach dem Glück. Sie stellt dort auch die Frage, was für ihre Leserinnen und Leser Glück bedeutet.

Wenn man das mit der Frage zusammenbringt, ob die Ruhe vor dem Sturm Warnung auf das normale Leben zu übertragen ist, endet man schnell mit der These Glück ist die Abwesenheit von Unglück. Auch nicht ganz falsch, diese These. Aber sie trifft eben nicht alles. Ich schrieb Nicole dazu:

„Ich bin derzeit mit einigen Rahmenbedingungen sehr unzufrieden in meinem Leben. Aber dennoch bin ich nicht unglücklich, nicht einmal schlecht gelaunt. Diese Dinge fallen unter „das ist jetzt gerade so und da müssen wir durch“ und ich finde genug, um gut durch zu kommen. Weil es eben vieles gibt, was schön ist, vor allem, weil es den Kindern gut geht. Sicher ist Zufriedenheit ein Schlüssel zum Glück, aber auch Dankbarkeit, Wahrnehmungsfähigkeit, Wertschätzung für das, was man hat“

Insofern und nur insofern kann das Bewusstsein, dass sich auch die Wetterlage unseres Lebens jederzeit ändern kann, durchaus hilfreich sein. Meine Meinung.

Was meint Ihr dazu? Würdet Ihr die Ruhe vor dem Sturm Warnung auf Euren Alltag, auf Euer normales Leben übertragen ?

Hier geht es zu den aktuellen Blogartikeln

  1. Meine niederländische Wetter-App spricht unbeirrt Englisch mit mir. Dabei ist mein niederländisch viel besser als mein Englisch. ↩︎

Von Britta Langhoff

Bloggerin, Autorin, Ehefrau, Mutter, Hundemama und Bootsfrau. 60 Jahre alt und stolz darauf. Ich schreibe für Menschen, die mutig und entspannt älter werden. Es ist nie zu spät, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Jetzt haben wir die Freiheit für neue Abenteuer und ganz viel Lebensfreude. Wenn nicht jetzt - dann vielleicht nie

34 Kommentare

  1. Liebe Britta,
    was das Wetter angeht, bin ich unendlich froh, in einer geographischen Zone zu leben, in der Naturkatastrophen so gut wie nie vorkommen, hoffentlich bleibt das noch lange so. Aus den Erzählungen der Gattin weiß ich, dass das nicht selbstverständlich ist.
    Was das Leben betrifft, bin ich mir nicht sicher, inwieweit wir ob der ständigen Horror-Breaking-News nicht schon übersensibilisiert sind. Dass die Voraussetzungen im privaten (Wohl)Befinden jederzeit kippen können weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung; davor schützt aber auch keine Warn-App…
    LG, Uli

    1. Lieber Uli,
      der Gedanke, den Du bezüglich der Naturkatastrophen formulierst, kommt mir auch gelegentlich. Das fällt mir auch oft ein, wenn ich mal wieder wegen des vielen grau hierzulande genervt bin. Deine Liebste kann da ganz andere Geschichten erzählen und ist sicher auch oft genug unruhig, wenn sie solche Warnungen für ihre Lieben in der alten Heimat sieht.

      Ich bin mir nie so ganz sicher, welche Auswirkungen diese dauernden Horror-Breaking-News wirklich haben, im allgemeinen und speziell bei mir. Ich versuche, meinen Nachrichten-Konsum gezielt zu lenken, damit mich das nicht übersensibilisiert. Andererseits denke ich bei manchen auch, dass sie ob dieser Flut schon eher abgestumpft sind.

      Hoffen wir, dass uns weitere Kipp-Punkte erspart bleiben – auch ohne Warn-App.
      Liebe Grüße zu Euch
      Britta

  2. Ich hab es für mich immer nach dem Spruch – Wer nicht vorbereitet ist, ist bestens dafür vorbereitet, nicht vorbereitet zu sein – gehalten. Natürlich mit Augenmaß und nicht für jedes erdenkliche Szenario. Bin halt ein vorsichtiger Mensch, der ungern Risiken eingeht. Egal in welchem Bereich des Lebens. Damit bin ich immer gut gefahren.
    Woher ziehst du deine Wetterinfos? Ich nutze die Windfinder App und WarnWetter vom DWD. Naja und was man sonst noch hat: Katwarn, Auswärtiges Amt … 🫣😅

    1. Das ist auch ein super Spruch – den kannte ich noch gar nicht. Ist was dran :))
      Auf manches bin ich auch vorbereitet, aber erstens kommt es anders und Du weißt schon.
      Windfinder nutzen wir auch, ansonsten nutze ich seit jeher für beide Länder die App von Buienradar, dem NL Dienst. Die fand ich aber schon mal besser, das muss ich leider so sagen. Dies Jahr habe ich durch Zufall auf meinem Laptop die vorinstallierte MSN Wetter App gefunden und fand sie erstaunlich gut, weil sehr kleinteilig und detailliert. Der Gatte hat MSN jetzt als App, im bisherigen Vergleich des Jahres schneidet sie gut ab. Ansonsten schaue ich in NL immer auf die Dienste der lokalen Sender, also meist Omroep Fryslan. Was sonstige Warnungen angeht, habe ich keine App. In NL braucht man eh keine, da kriegt man die aufs Handy, ob man will oder nicht. Und in D hoffe ich, dass das Radio, die Nachbarn, der Mann, die Kinder mich schon informieren…. Auswärtiges Amt guck ich nur, wenn die Kinder mal wieder weltweit unterwegs sind. Trägt aber nur marginal zur Beruhigung bei.

  3. „Die beste Vorbereitung auf stürmische Zeiten ist meines Erachtens Wertschätzung dessen, was man hat.“

    Deinen Worten stimme ich absolut zu. Wenn man im Jetzt lebt, hat man wenigstens was davon.

    Wirklich vorbereiten kann man sich auf Stürme im Leben nur schwer. Das ist wie Vorschlafen oder Voresse – hält nur höchstens für einen Tag.

    In stürmischen Zeiten hilft es mir, bewusst Ruheanker einzubauen.

    Hab ein schönes Wochenende!

    1. Du sagst es, liebe Ines. „Wenn man im Jetzt lebt, hat man wenigstens was davon“ ist sehr wahr. Gefällt mir auch gut.
      Vorschlafen klappt wirklich nicht, voressen schon mal gar nicht. Zumindest bei mir nicht :))
      Liebe Grüße
      Britta

  4. Die Ruhe vor dem Sturm ist es ja dann, wenn man sich ziemlich sicher ist, dass dann auch ein Sturm folgt. Das ist in den meisten Fällen im normalen Leben ja nicht der Fall und da finde ich, kann man ruhig mal etwas entspannter an die Sache rangehen. Wir stressen uns doch eh schon viel zu viel im Alltag. Nur wenn sich jemand in falscher Sicherheit wiegt, ist die Warnung angebracht. Ganz aktuell wieder Sommerreifenfahrer die bei schönstem Sonnenschein nicht mit glatten Straßen am nächsten Morgen rechnen. Die Nachrichten klären ja mittlerweile immer wieder ganz genau auf, wie Blitzeis entsteht – wohl in der Hoffnung, dass die Leute da endlich mal ernst nehmen. Und nicht wie die deutschen Touristen ganz übermütig alle Vorsagen in den Wind schlagen – der einem dann besonders stürmisch um die Ohren pustet!
    Liebe Grüße!

    1. Das mit der trügerischen Sicherheit ist ein interessanter Aspekt. Da kenne ich auch einige Fälle, wo auf entsprechende Warnungen gehört werden sollte. Gerade das mit dem Blitzeis und den Winterreifen. Wir waren letzte Tage auch abends raus und sehr überrascht, als wir schon kratzen mussten. Hatten wir nicht mit gerechnet. Aber wir waren immerhin ausgestattet, Kratzer war im Auto, Winterreifen sind drauf. Von daher hat es nur Zeit gekostet. Aber wir waren für alle Fälle vorbereitet, ganz ohne Warnung.
      Ein weites Feld, dieses Thema, merke ich.

  5. Was den Sturm angeht sind wir hier im Norden ja erprobt. Auch die Ruhe vor dem Sturm kennt man hier. Im wahren Leben kann ich mich nicht auf alles vorbereiten. Dann müsste ich ja in einer Glaskugel leben und in diese hineinsehen können.

    Liebe Grüße
    Sabine

  6. Manchmal wär so eine Ruhe vor dem Sturm Warnung bestimmt nicht schlecht.
    Das Leben hat mir aber auf die harte Tour beigebracht, dass ich nicht alles im Griff und unter Kontrolle haben kann. Ich bin da heute viel gelassener – und kann mehr den Moment genießen. Ist das schon Altersweisheit?
    Auf die meisten Umstände in unserem Leben haben wir kaum Einfluss, da helfen auch keine Warnungen.
    Wie bei Dir ( und mir ) gerade die unschönen Situationen. Hätten wir was anders gemacht oder entschieden, wenn wir das vorher gewusst hätten?

    Vorsorge ist gut – Impfungen, Winterreifen, Vorsorgechecks, Notgroschen und Vorräte im Keller. Beim Regenschirm hört‘s bei mir aber schon auf. Ein Prepper wird wohl nicht aus mir. Obwohl ich tatsächlich schon die Krisenliste und die Empfehlungen für den Erstfall durchgegangen bin.
    Als Camperin und Landei habe ich vor Wetter sehr viel Respekt. Keine Angst, aber ich nehme Warnungen sehr ernst – und freu mich, wenn‘s harmloser wird als befürchtet.
    Trotz aller Warnungen und Vorsicht sind wir aber doch das ein oder andere Mal in brenzlige Situationen geraten, beim Wetter wie auch im Leben. Die überstandenen Stürme haben Spuren hinterlassen und ein Vertrauen darauf, dass wir vieles schaffen können.
    Ob Warnungen da was dran geändert hätten? Glaub ich nicht.
    Und wer nimmt schon alle Warnungen ernst?
    Das Quentchen Glück, das am Ende alles entscheidet, können wir eh nicht beeinflussen.

    Auf gut Nordhessisch „Es kimmet alszus annasder alswie mer denggd“.

    1. Man könnte das natürlich Altersweisheit nennen, denn je älter, desto mehr Erfahrungen. Aber manche machen solche Erfahrungen ja auch in jungen Jahren.

      Viel hätte ich nicht anders gemacht, aber vielleicht manche Dinge schneller vorangetrieben und mir manche Zweifel erspart. Im Nachhinein hat sich unsere Entscheidung mit dem Boot z.b. ja auch als zum genau richtigen Zeitpunkt, vielleicht sogar spätest möglichen Zeitpunkt erwiesen.

      Ich bin auch immer froh, wenn eine Situation glimpflicher ausgeht, als die Warnungen befürchten ließen. Auch wenn man vielleicht Dinge vershoben oder abgebrochen hat deswegen.

      Hihi – bei den Vorsorge-Aktivitäten sind wir uns sehr ähnlich. So halte ich es auch. Regenschirm find ich auch völlig überbewertet. Kapuze und vernünftiger Regenmantel ist viel besser !

      Ich wünsche Dir eine warnfreie und auch sonst entspannte Woche !

  7. Also ich (mit meinem geringfügigen Hang zum preppen) 😉 habe den Sturm eigentlich immer irgendwie vor Augen…! Aber wie du schon sagst, darf man sein Leben nicht davon bestimmen lassen…! Ich versuche aber immer das Leben, so wie ich es mir vorstelle, möglichst in vollem Umfang auszukosten denn man weiß nie wann der Sturm kommen wird und wie sich die Zeiten/Umstände ändern können und vor allem wie schnell…! Das letzte Jahr hat das wieder sehr eindrucksvoll gezeigt…! Und auch der aktuelle Schicksalsschlag in unserem Bekanntenkreis hat das wieder bestätigt…! Der Drachentöter kann absolut gar nicht Entrümpeln oder ausmisten, für ihn ist „Lieber haben als brauchen“ eigentlich schon sein Lebensmotto! *seufz*
    Aber ich glaub er kann da nichts für, er ist halt in einer Mangelwirtschaft aufgewachsen! Du bekommst den Ossi aus der DDR raus aber nicht die DDR aus dem Ossi…! 😉

    1. Du weißt ja, dass ich weiß, wo wir im Falle des großen Blackout hin können :)) Ich bring auch unsere Boot-Gadgets mit 😉

      Ich schleppe auch immer so eine Art auf der Hut sein Attitude mit mir rum. Dafür hab ich einfach schon zu viel erlebt und gesehen. Aber ich bin wie Du fest entschlossen, dass nicht gewinnen zu lassen. Denn leben geht besser jetzt statt irgendwann.

  8. Hallo liebe Britta,
    bei diesem Thema merke ich eindeutig, wie geschädigt ich aus der Corona-Krise hervorgegangen bin! Kleinen Kindern wurde gezielt Angst gemacht, dass sie ihre Großeltern töten könnten, weil sie, möglicherweise ohne es zu wissen, ein tödliches Virus in sich trügen. Wie pervers ist das denn? Und immer werden solche grausamen Strategien damit gerechtfertigt, dass es um Leben und Tod gehe, weshalb es auch überhaupt keine Alternative gebe. Und jeder, der die Größe der Gefahr anzweifelt, ist wahlweise ein Vollidiot aka Schwurbler oder ein Nazi. Das ist Totalitarismus 2.0 und bedeutet im Endeffekt das Ende der Demokratie, denn je größer die Gefahr, umso rigoroser wird vom Einzelnen, der anderer Meinung ist, gefordert, einfach die Fresse zu halten. Da kann dann eine deutsche, sehr progressive Intellektuelle (leider komme ich gerade nicht auf ihren Namen) schon mal die Frage stellen, ob wir uns Demokratie angesichts des Klimawandels überhaupt noch leisten könnten und diktatorisch fordern, dass niemand die Zahlen in Frage stellen dürfe, mit denen alarmierte Klimawissenschaftler uns auf Trab halten. Ja, auch beim Klimawandel ist es so wie während der C-Krise: Die Gefahr ist riesig, und jeder der das in Frage stellt, ist böse. Ehrlich gesagt, kann ich das alles nicht mehr ertragen! Weihnachtsmärkte u.ä. werden abgesagt, weil die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann! Es gibt Studien aus England, dass dort während der C-Krise mehr Menschen an Angst als an Covid gestorben sind. Keine Ahnung, wie belastbar das ist, aber es kommt mir nicht unplausibel vor, denn vor der C-Krise lehnte die WHO Lock Downs noch ab mit dem Hinweis, dass sie für zu viel Angst in der Bevölkerung sorgen würden! Ich habe inzwischen das Gefühl, dass bewusst provozierte Angst genutzt wird, um die Menschen zu steuern und demokratische Prozesse im Keim zu ersticken. Die von dir beschriebene „Ruhe vor dem Sturm“-Warnung, ist natürlich sinnvoll, aber das ist mir fast egal, denn ich will endlich, dass Medien und Institutionen aufhören, in unseren Psychen die Alert-Knöpfe zu drücken! Das ist bestimmt ein bisschen kindisch, aber ich empfinde die bewusste (kann ich natürlich eher selten beweisen, dass sie bewusst erzeugt wird) Angsterzeugung inzwischen als eines der größten Probleme in unserer Gesellschaft, denn Angst macht krank, insofern kommt es für mich einem Angriff auf uns alle gleich. Liebe Grüße Siri

    1. Hallo Siri,
      ich muss da manchmal an den alten Fassbinder-Film denken: Angst essen Seele auf. Dieser Gedanke kommt mir auch manchmal.
      Ich empfinde das auch so, dass die Angstmacherei überhand nimmt. Ich denke, es liegt daran, dass der Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit so groß geworden ist. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt nun mal der, der die richtigen Knöpfe drückt und das ist oft der, der Angst verbreitet, weil es eins der stärksten Gefühle überhaupt ist. Das ist ein ähnlicher Mechanismus, wie er bei der Verbreitung von Hasskommentaren greift.
      Und wer viel warnt, muss sich nachher zumindest nicht nachsagen lassen, er habe Gefahr runtergespielt. Das denke ich, spielt auch mit rein. Ich teile Dein Unbehagen bezgl. der Big C Zeit, finde und fand auch vieles unangemessen, unlogisch dazu – gebe aber zu, dass ich auch nicht in der Haut der Verantwortlichen hätte stecken wollen. Und was passieren kann, wenn Gefahr nicht erkannt oder runtergespielt wird, hat man ja dann auch im Ahrtal gesehen.
      Möglicherweise hat mich die Ruhe vor dem Sturm Warnung auch deswegen so beeindruckt, weil es in den Niederlanden war. Dort ist der Alarmismus nicht so ausgeprägt wie bei uns. Die Niederländer sind ja doch eher pragmatisch unterwegs, mit Panikmache erreicht man dort nicht so viel wie bei uns.
      Ich wünsche Dir und mir und vielen anderen, dass wir etwas Abstand zu den Alert-Knöpfen gewinnen und wieder mehr nüchterner Menschenverstand einzieht.
      LG Britta

    2. Liebe Siri,
      ich fand es auch sehr beeindruckend, wie leicht eine Gesellschaft sich mit Angst und Hysterie steuern ließ und pflichte deinem Beitrag insgesamt bei!
      LG
      Marie

  9. Was hast du mir da aus der Seele geschrieben! Also im zweiten Teil, den ersten kann ich ’nur‘ mitfühlen.
    Danke für die Verlinkung, mir bedeutet das sehr viel.
    Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Achtsamkeit für die Dinge, die so vorgehen, müssen uns ein bisschen von Naivität trennen und viele benötigen, so glaube ich, ein etwas anderes Verständnis.

    Ansonsten sehe ich es wie du: Auch ich habe Tage, in denen es (natürlich ungerecht) ruckelt. Aber ich bezeichne mich dennoch als glücklichen und zufriedenen Menschen.
    Ich bin mir bewusst, in welchen Privilegien wir hierzulande (bei allen kleinen und großen Brisen und Wolken) leben: Frieden, Freiheit und Demokratie sind Güter, die unbezahlbar sind, auf die wir achtgeben müssen.
    Das betrifft auch alle anderen Situationen im Leben, wo eine gewisse Aufmerksamkeit oder Nachdenken helfen. Oder auch, einfach mal nichts zu sagen oder zu schreiben.
    Deswegen lebe ich trotzdem und versuche auch, jeden Tag mein schönstes Leben zu leben. Das klappt natürlich nicht immer, aber allein das Bewusstsein, Dankbarkeit, Empathie und Zufriedenheit sind gute Zutaten. Und helfen ungemein.
    Du hast das so schön geschrieben.

    Ich wünsche uns allzeit seichte Wellen und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Liebe Nicole,
      Dein von mir verlinkter Blogartikel hatte mich auch genau da getroffen, wo ich gerade war. Und Du hast ebenfalls so viele Gedanken dazu formuliert, die mich erreicht und bewegt haben.

      Ja, manchmal ruckelt es ungerecht. Das ist so und man darf das dann auch ruhig mal bedauern. Auch wenn wir wissen, dass es uns gut geht, wir uns glücklich schätzen können und das auch tun – wir dürfen unsere Kümmernisse dennoch ernst nehmen und mit ihnen umgehen.

      Ein paar seichtere Wellen haben wir uns alle verdient, finde ich.
      Komm gut Richtung Wochenende
      Liebe Grüße
      Britta

  10. Liebe Britta, gute Frage – nächste Frage 😀.
    Der vergangene Sommer, „der vielleicht letzte Friedenssommer“ wie er oftmals getauft wurde, hat in mir all die Preppergedanken, die ich in der Coronazeit entwickelt habe, wieder in den Fokus gerückt.
    Allerdings ohne dass ich auch nur irgendeine zählbare Konsequenz daraus gezogen hätte. Falls Putin also auf der nächsten Rakete persönlich in D einreitet, habe ich dem nichts entgegenzusetzen und auch keine Bevorratung über das normale Maß hinaus im Keller.
    Es gibt Horrorszenarien, auf die ich mich nicht vorbereite, weil ich gar nicht weiß, wie und dementsprechend einfach alles verdränge.
    In kleinere oder größere Stürme, die das Leben spendiert, gerate ich auch meistens unerwartet, schöpfe dann aber aus der Erfahrung von früheren Gelegenheiten und gerate eher nicht in Seenot.
    Ruhe vor dem Sturm habe ich einmal wettertechnisch erlebt, also nicht wirklich oft und im übertragenen Sinn…kann ich mich konkret nicht erinnern.
    Insgesamt versuche ich das Leben wie eine gewaltige Welle zu nehmen: Unterdurch tauchen oder sich möglichst elegant von ihr an Land befördern lassen. Entgegenstellen führt nur dazu, dass die Woge einen packt, in alle Richtungen durcheinander wirbelt und einen bestenfalls
    unsanft auf den Boden knallt oder man halt gleich ertrinkt.
    Durchaus mit Beulen vom unsanft aufknallen grüßt
    Marie

    1. Liebe Marie,
      „sich möglichst elegant an Land befördern lassen“ gefällt mir als Metapher außerordentlich gut. Das fühle ich.
      Beulen haben wir wohl alle – das bleibt im Laufe des Lebens wohl nicht aus. Manche Beulen lassen sich auch nur ins Leben integrieren, manches lässt sich eben nicht mehr ausbeulen.
      Und ganz ehrlich – den Ausdruck „der vielleicht letzte Friedenssommer“ lese ich jetzt zum ersten Mal, der hat es vorher nicht bis zu mir geschafft. Da muss ich auch ehrlich sagen: Puuh ! Soweit will ich nicht denken, das ist mir too much Ruhe vor dem Sturm. Zumal ich glaube: Der nächste große Krieg ist der letzte. Weil danach nichts mehr geht. Meine Güte, jetzt werden wir apokalyptisch. Am besten machen wir es wie unsere Hunde und schütteln diesen Stress mal eben ab.
      Wünsche Dir ein beulenfreies Wochenende
      Liebe Grüße
      Britta

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